Moderne Gesundheits-IT hat mit EDV-Lösungen alter Prägung nicht mehr viel gemein. Innovative Leistungserbringer vernetzen sich elektronisch. Immer mehr Patienten nutzen Telemedizin-Lösungen, mit denen sich sogar Geld sparen lässt. Und erste Landesregierungen machen das Thema zur Chefsache. Bei der CEBIT 2010 vom 2. bis 6. März in Hannover wird die digitale Medizin im Rahmen der TeleHealth erneut ein zentrales Thema sein.
Für Christian Bauer, IT-Manager bei der Knappschaft Bahn-See, ist ein moderner regionaler Versorgungsverbund aus Ärzten und Krankenhäusern ohne elektronische Vernetzung undenkbar. Im Prosper-Netz Bottrop koordiniert Bauer den Aufbau einer zentralen elektronischen Patientenakte, bei der die Versicherten ihrem Arzt mit Hilfe einer elektronischen Gesundheitskarte Zugriff auf ihre Daten geben.
Vorläuferrolle
"Seit Sommer sind bereits zahlreiche Netzärzte und das Knappschaftskrankenhaus Bottrop im âprospeGKT'-Projekt online gegangen", so Bauer. Knapp 10 000 Patienten sind mit elektronischen Gesundheitskarten ausgestattet. Wenn ein Patient in eine Praxis oder Klinik kommt, die an die elektronische Patientenakte angeschlossen ist, dann erteilt er der Praxis beziehungsweise dem Krankenhaus eine zeitlich befristete Freigabe seiner Akte für den Zugriff auf relevante Daten.
Was in Bottrop gemacht wird, ist gewissermaßen die vorweggenommene Endausbaustufe jener deutschlandweiten elektronischen Gesundheitskarte, deren Einführung sich so stark verzögert hat. In dem experimentellen Umfeld der Prosper-Netze kann bereits heute all das umgesetzt werden, wovon sonst nur wolkig die Rede ist. Und es funktioniert. Nachdem das Vorläuferprojekt noch an der Akzeptanz der Ärzte gescheitert war, läuft jetzt, nach einigen organisatorischen Veränderungen, alles rund: "Technisch gibt es weder in den Praxen noch im Krankenhaus irgendwelche größeren Probleme", so Bauer.
Bessere Daten, zufriedene Patienten
Wenn Patienten dagegen im Rahmen von Telemedizinprojekten zur Quelle medizinischer Daten werden, dann hält die Digitaltechnik auch Einzug in die unmittelbare Versorgung. Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz waren hier die Vorreiter. Eine zweistellige Zahl von Krankenkassen bietet ihren Herzpatienten mittlerweile entsprechende Angebote, weil in internationalen Studien gezeigt werden konnte, dass die Fernbetreuung Klinikaufenthalte verhindern kann.
Auch die wachsende Zahl an Typ 2-Diabetikern rückt zunehmend in den Fokus der Telemedizinbemühungen. Einer der Gründe dafür ist, dass der Datentransfer zwischen Blutzuckermessgerät, (Mobil-)Telefon und elektronischer Patientenakte weitgehend automatisiert werden konnte. Es gibt sogar Handys, die ein Blutzuckermessgerät integriert haben. Prototypen davon waren bereits auf der TeleHealth zu sehen.
Die Datenlage zu den medizinischen Effekten der Telemedizin bei Diabetes mellitus wird besser, auch wenn derzeit noch prospektive, randomisierte Studien fehlen. Kohortenanalysen deuten aber doch darauf hin, dass Telemedizin sowohl den HbA1c-Wert als auch die Patientenzufriedenheit positiv beeinflusst. "Wir fanden hoch signifikante Effekte der telemedizinischen Betreuung auf praktisch alle untersuchten Parameter", sagt beispielsweise Professor Stephan Martin, der Ärztliche Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums. In einer Studie mit 100 Patienten fiel der HbA1c-Wert durch eine telemedizinisch gestützte Intensivbetreuung von 7,35 Prozent auf 6,9 Prozent. Wichtiger noch: Die Zahl der Hypoglykämien nahm ebenfalls ab.
Das zahlt sich aus. Die BKK Gesundheit hat gerade in einer Fallkontrollstudie 369 Typ 2-Diabetiker mit Telemedizinbetreuung vergleichen lassen mit genauso vielen Diabetikern ohne Telemedizin. "Die Zahl der Klinikaufenthalte sank in der Interventionsgruppe deutlich, während sie in der Kontrollgruppe anstieg", sagt Projektleiter Professor Stefan Willich vom Institut für Sozialmedizin der Charité Berlin. In Heller und Pfennig: Bei telemedizinischer Betreuung fielen die Krankenhauskosten von 11 000 auf 8 000 Euro pro Jahr. Ohne Telemedizin stiegen sie in einer vergleichbaren Gruppe von 7 000 auf 13 000 Euro.
Ausweg aus dem Ärztemangel?
Solche Zahlen, vor allem aber der zunehmende Ärztemangel, haben mittlerweile mehrere Bundesländer dazu bewogen, das Thema Telemedizin zur Chefsache zu machen. So hat das Land Brandenburg eine internationale Ausschreibung für ein flächendeckendes Netz telemedizinischer Zentren initiiert. Außerdem befindet sich dort eine landesweite Telemedizinagentur in Gründung. Ähnliche Ziele verfolgt auch Mecklenburg-Vorpommern, wo die Universität Greifswald mit anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten telemedizinisch vernetzt wird. Wer sich über den aktuellen Stand der telemedizinischen Vernetzung in Deutschland informieren möchte, ist bei der TeleHeath 2010 in Hannover an der richtigen Adresse. Die Telemedizin wird dort wie in den Vorjahren einen zentralen Stellenwert einnehmen.
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Verfasser/in:
KVN
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Kauf von neuen Kartenlesegeräten? Besser noch warten!
Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN wird alle Mitglieder über die Anschaffung von neuen Kartenlesegeräten informieren, sobald absehbar ist, wann der so genannte Rollout für die eHealth-Card beginnt. Bei den neuen BCS Kartenterminals handelt es sich um Kartenlesegeräte, mit denen sowohl die heutige Krankenversichertenkarte (KVK) als auch die zukünftige eGK in das Praxisverwaltungssystem eingelesen werden kann. Alle Mitglieder werden - auf der Internetseite der KVN ( http://www.kvn.de) - im Bezirksstellen-Rundschreiben - in einem persönlichen Anschreiben und - auf KVN-Informationsveranstaltungen rechtzeitig alles Notwendige über die Einführung der neuen Kartenlesegeräte von der KVN erfahren. Dann gibt es auch Klarheit über die den Arztpraxen zustehenden Erstattungspauschalen für ein oder mehrere Kartenlesegerät(e), je nach Zahl der Mitglieder in der Praxis und dem installationsbedingten Aufwand. Auf den Informationsveranstaltungen werden die zugelassenen stationären und mobilen Lesegeräten vorgestellt. Ansichten und Beschreibungen dieser Geräte sind bereits heute im Internet unter http://www.kv-telematik.de aufrufbar. Die KVN empfiehlt, mit dem Kauf der neuen stationären und mobilen Kartenlesegeräte so lange zu warten, bis sie ihre Mitglieder über die jeder Arztpraxis zustehenden Pauschalbeträge persönlich informiert hat. Es besteht andernfalls die Gefahr, dass für zu früh gekaufte Kartenterminals keine Pauschalen gezahlt werden. Sofern Praxen bereits heute ein neues Kartenterminal kaufen müssen, weil zum Beispiel das bisherige KVK-Lesegerät defekt ist und eine Reparatur nicht wirtschaftlich erscheint, sollten sie die KVN-Beratung unter der Ruf-Nr. (05 11) 3 80-32 38 in Anspruch nehmen. |
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