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nä 11/2013
aktualisiert am: 15.11.2013

Statine 

  arzneimittel

Nie im Doppelpack

Gibt es eine Wechselwirkung zwischen Amiodaron und Simvastatin?


 

Anfrage an ATIS
Dr. K, Facharzt für Allgemeinmedizin, fragt: "Mein Patient bekommt u.a. seit Jahren Amiodaron und Simvastatin in Kombination. Im Beipackzettel findet er nun einen Hinweis, dass diese Kombination problematisch ist. Gibt es Kontraindikationen oder Interaktionen bei dieser Kombination?"

Antwort von ATIS
Zwischen Amiodaron und Simvastatin besteht eine klinisch relevante Interaktion. Simvastatin und Amiodaron werden in der Leber über Cytochrom P450 (CYP) 3A4 verstoffwechselt. Amiodaron und sein Metabolit Desethylamiodaron sind potente Inhibitoren von CYP 3A4, außerdem werden auch CYP 2C9 und CYP 2D6 gehemmt. Amiodaron verringert somit die Simvastatin-Elimination. Dadurch werden die Simvastatin-Plasmakonzentrationen annähernd verdoppelt, das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen steigt. Zu befürchten ist insbesondere eine Myopathie mit der möglichen Folge einer Rhabdomyolyse. Die Fachinformationen zu den Simvastatin-Präparaten (z.B. Simvabeta®, SimvaHEXAL®, ZOCOR®) empfehlen bei gleichzeitiger Amiodarontherapie, eine Dosis von 20 mg Simvastatin pro Tag nicht zu überschreiten.

Aus haftungsrechtlicher Sicht inter­essant sind die uneinheitlichen Angaben der Fachinformationen zu den verschiedenen Amiodaron-Präparaten zum Umgang mit dieser Interaktion. Einige, z.B. Amiodaron Winthrop®, Amiodaron-CT, Cordarex®, verbieten ohne Berücksichtigung der Dosis die gleichzeitige Therapie mit Simvastatin oder anderen Statinen, die über CYP 3A4 metabolisiert werden. Andere Fachinformationen zu Amiodaron (z.B. Amiodaron AL 200, Amiodaron beta, Amiodaron 200 -1 A Pharma®) sehen nur die gleichzeitige Anwendung von Simvastatin in einer Tagesdosis über 20 mg als Kontraindikation an. Die Fachinformation für Amiodaron 200 Heumann® macht keine Angaben zur Interaktion mit Simvastatin oder anderen Statinen.

Empfehlung


Bei Beachtung der Dosisobergrenze von 20 mg Simvastatin pro Tag kann die langjährig gut vertragene Kombination mit Amiodaron fortgeführt werden. Andernfalls ist die Umstellung auf Pravastatin zu empfehlen, das CYP-unabhängig verstoffwechselt wird.

Kommentar


Arzneimittel-Wechselwirkungen gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Statin-induzierte Myopathie (Tabelle). Sowohl pharmakokinetische als auch pharmakodynamische Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden:
Pharmakokinetische Interaktionen durch Hemmstoffe der hepatischen Elimination von Atorvastatin, Lovastatin und Simvastatin (Abbau aller drei abhängig von CYP 3A4) oder Fluvastatin (Abbau abhängig von CYP 2C9). Nichtbetroffen von diesen pharmakokinetische Interaktionen sind Pravastatin (CYP-unabhängige Elimination) sowie Pitavastatin und Rosuvastatin (Abbau über CYP 2C9 klinisch nicht relevant).

Pharmakodynamische Interaktionen durch Medikamente, deren myotoxische Effekte sich zu denen der Statine addieren (Tabelle). Von diesem Interaktionsmechanismus sind alle Statine betroffen.

Risikofaktor   Risiko erhöht für
Frühere Statin- oder FibratmyopathieAlle Statine
Alter über 70 Jahre  Alle Statine
Hereditäre Muskelerkrankungen Alle Statine
Nierenfunktionsstörungen  Alle Statine
Leberzirrhose    Alle Statine
Diabetes mellitus   Alle Statine
Unbehandelte Hypothyreose Alle Statine
Schwere körperliche AnstrengungAlle Statine
Operation, Trauma  Alle Statine
Alkoholmissbrauch  Alle Statine
Grapefruit     Atorvastatin,
(Hemmung des intestinalen  Lovastatin,
CYP3A4)     Simvastatin
Arzneimittel-Wechselwirkungen
CYP3A4 Inhibitoren wie Erythromycin, Atorvastatin,
Clarithromycin, Telithromycin, Lovastatin,
Itraconazol,    Simvastatin
Ketoconazol, Verapamil, Diltiazem,
HIV-Protease-Inhibitoren, Amiodaron,
Danazol
CYP2C9 Inhibitoren wie Amiodaron, Fluvastatin
Fluconazol, Ticlopidin
Myotoxische Medikamente wie  Alle Statine
Fibrate1, Nikotinsäure, Ciclosporin2
und Tacrolimus2 


1 Besonders Gemfibrozil. Zusätzlich hemmt Gemfibrozil die Statin-Elimination
2 Zusätzlich Hemmung von CYP3A4
Tabelle: Risikofaktoren der Statin-induzierten Myopathie

Durch die oben genannten Wechselwirkungen steigt das Myopathierisiko um das 2 bis 10fache. Bei 60 Prozent der Patienten mit statin-induzierter Rhabdomyolyse ist eine Arzneimittel-Wechselwirkung ursächlich. Die in der Praxis häufigste problematische Kombination ist die Gabe eines der in der Tabelle genannten Antibiotika oder Antimykotika. In solchen Fällen wird das Aussetzen der Statintherapie oder die Umstellung auf Pravastatin (CYP-unabhängige Elimination) empfohlen.

Antihypertonika in der Schwangerschaft

Aufgrund eines redaktionellen Versehens waren in der übersichtsdarstellung zu den "Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie" einige Zeilen verrutscht. Wir bitten das Versehen zu entschuldigen und drucken nachfolgend die Tabelle noch einmal in richtiger Fassung ab:

Empfehlungen zur Hypertonietherapie in der Schwangerschaft nach den "Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie" der deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - deutsche Hypertonie Gesellschaft

Blutdruck < 160/100 mm HgBlutdruck > 160/100 mm HgBlutdruck > 170/110 mm Hg
engmaschige überwachung MethyldopaNotfall
nicht-medikamentöse selektive Beta-1-Adreno-stationäre Aufnahme
Maßnahmen, insbesondere rezeptorenblocker: Metoprolol Einleitung einer
Einschränkung der körperlichen 2. Wahl: Calciumantagonisten medikamentösen
Aktivität, zeit-weise Bettruhe Kontraindiziert: ACE-Hemmer, antihypertensiven Therapie
 AT1-RezeptorantagonistenNotfalltherapie:
 rasch resorbierbares Nifedipin
 p.o. oder Urapidil i.v.
 Ausschluss einer Präeklampsie


Eine praxisorientierte Wissens- und Entscheidungshilfe bei Fragen zu einzelnen Medikamenten, insbesondere zur Risikobewertung bei Einnahme unter Unkenntnis der Schwangerschaft, bietet die Homepage des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie in Berlin. Unter [www.embryotox.de] finden sich valide, detaillierte Informationen zu o.g. und anderen Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit.



Verfasser/in:
PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover

Dr. med. Julia Brinkmann





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Alle Anfragen zur Arzneimitteltherapie können auf folgendem Wege an ATIS gestellt werden: Vorzugsweise per Fax: (05 31) 24 14 100. Telefon: (05 31) 24 14 349.
Postanschrift:
Dr. med. Jürgen Bohlemann, KVN Braunschweig, An der Petrikirche 1, 38100 Braunschweig.

Die ATIS-Homepage mit elektronischem Anfrageformular ist im KVN-Mitgliederportal unter Verordnungen > Arzneimittel > Therapeutische Informationen zu finden.
Wir bitten aus organisatorischen Gründen, Anfragen an die genannte KVN-Adresse zu richten. Ihre Anfrage wird dann entweder dort direkt beantwortet oder zeitnah an das Institut für Klinische Pharmakologie der MHH weitergeleitet.

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