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aktualisiert am: 15.11.2016

 

  Klinik und Praxis

Barrierefreiheit für Menschen mit Autismus in der Arzt-Patienten-Interaktion


 

Für Menschen mit Autismus hat der barrierefreie Zugang zum Gesundheitssystem erhebliche Bedeutung, unter anderem da sie eine erhöhte Vulnerabilität für eine Reihe psychischer Erkrankungen aufweisen. Spezifische Konzepte für eine barrierefreie Kommunikation zwischen den Health Care-Professionals und Patienten mit einer Autismus-Spektrum-Störung liegen bislang nur vereinzelt vor.

Im Rahmen der Fachtagung "Autismus und medizinische Versorgung - (k)ein Problem?!" wurden am 3. September 2016 in der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) daher Ansätze in der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung wurde vom Verein einzigartig-eigenartig e. V. in Kooperation mit der ÄKN und der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. (LVG & AfS) umgesetzt. Schirmherrin war die Niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt.

Privatdozentin Dr. med. Tanja Sappok vermittelte einen überblick über die Denk- und Wahrnehmungsbesonderheiten bei Autismus2. Sie stellte heraus, dass Barrierefreiheit in der ambulanten Versorgung bereits bei der ersten Kontaktaufnahme von hoher Relevanz ist (zum Beispiel Möglichkeit zur Terminvereinbarung per E-Mail statt per Telefon) und im Rahmen von Diagnostik und Therapie eine Reihe von Besonderheiten (unter anderem hinsichtlich sensorischen Empfindungen, der Reflektion psychischer Vorgänge sowie Handlungsplanung und Entscheidungsfindung) Berücksichtigung finden sollten. Dieses wurde aus Perspektive von Dr. med. Christine Preißmann, selbst Asperger-Autistin, ergänzt. Sie stellte dar, wie sich Compliance und Adherence in der Therapie durch einen adäquaten Umgang mit dem Thema Autismus optimieren lassen und mit den gesundheitsfördernden Potenzialen der Selbsthilfe autistischer Menschen verknüpft werden können.

Silke Lipinski, Humboldt Universität zu Berlin, stellte spezifische Informationsmaterialien für Hausärzte sowie Psychotherapeuten3 vor. Die Broschüren wurden von der Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) entwickelt, einem bislang bundesweit einmaligen Zusammenschluss von autistischen Menschen und am Thema Autismus interessierten Wissenschaftlern.

Neben Aspekten der Barrierefreiheit lag der Fokus auf Fragen der Zugänglichkeit diagnostischer und therapeutischer Angebote für (erwachsene) Menschen mit Autismus. Hierbei wurde als Best Practice-Beispiel das in Hamburg-Alsterdorf angesiedelte Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion (SIMI)4 vorgestellt. übereinstimmend stellten die ÄKN, vertreten durch Dr. med. Gisbert Voigt, und die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, vertreten durch Götz Schwope (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut), fest, dass eine Weiterentwicklung der Angebote - insbesondere auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels - in Niedersachsen anzustreben ist. Während für Kinder und Jugendliche ein suffizientes Angebot vorgefunden werden kann, müssen Erwachsene allein schon für eine diagnostische Abklärung oft beträchtliche Wartezeiten in Kauf nehmen und / oder Angebote außerhalb Niedersachsens aufsuchen. Im therapeutischen Setting kann ein achtsamer Umgang mit der Selbst- und Umweltwahrnehmung von Menschen mit Autismus ein wesentlicher Schlüssel für den Behandlungserfolg sein.

Verfasser/in:
Martin Schumacher
Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.
Fenskeweg 2, 30165 Hannover
martin.schumacher@gesundheit-nds.de


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Die Dokumentation der Veranstaltung findet sich unter http://www.einzigartig-eigenartig.de



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