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nä 05/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Klinik und Praxis

Zwischenstation Berufserlaubnis und Approbation – „Ärzte im Asyl“ in Niedersachsen au


 


Es ist in der Regel ein langer Weg, den Ärzte zu beschreiten haben, die ihr Land wegen Krieg und Verfolgung verlassen. Selten besteht die Hoffnung, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu können - und im Asyl ist ein langer Atem nötig, um wieder im Beruf tätig werden zu können. Mehr als 50 Ärztinnen und Ärzte haben seit Herbst 2015 in Niedersachsen Zuflucht gesucht. Den meisten von ihnen war die deutsche Sprache fremd und damit eine Grundbedingung für die Aufnahme der beruflichen Tätigkeit hierzulande nicht gegeben, Sprachkurse müssen besucht, mindestens Sprachniveau GER B2 erreicht werden. Um die "Ärzte im Asyl" auf dem Weg zu Berufserlaubnis und Approbation zu unterstützen, hat die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) ein Lotsensystem installiert: 14 erfahrene Berufskolleginnen und -kollegen stehen zusammen mit dem ÄKN-Flüchtlingsbeauftragten mit Rat und Tat zur Seite, assistieren bei der Beschaffung von Dokumenten und der Antragstellung bei der Approbationsbehörde, coachen bei der Vorbereitung auf Fachsprach- und Kenntnisprüfung, vermitteln Hospitationsplätze - ein Erfolgsmodell, wie die Tatsache beweist, dass erste Ärzte den Weg in den Beruf in Niedersachsen geschafft haben. Zwei Beispiele:

Sibghatullah Barat Ahmad, MD (Medical Doctor) (Univ. Kabul) kommt aus Afghanistan. 1981 in der Nähe der Hauptstadt Kabul in der Provinz Wardak geboren, hat er 2008 sein Studium an der Medizinischen Universität in Kabul abgeschlossen. Danach war er vier Jahre in der Kinderintensivstation des French Medical Institutes for Children FMIC in Kabul tätig. 2009 war er erstmals mit einem Stipendium in Deutschland und sechs Monate als Gastarzt in der Kinderintensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) tätig. 2010 kehrte er an das FMIC zurück und begann 2012 seine Facharztausbildung in der Abteilung Kardiologie.

Im April 2014 kam er - diesmal als Asylbegehrender - erneut nach Deutschland und erhielt im November eine Aufenthaltserlaubnis. Nach Absolvierung der obligatorischen Sprachkurse bekam er im Mai 2015 eine auf drei Monate befristete Berufserlaubnis für eine Tätigkeit in der Kinderintensivstation der MHH. Von Januar bis März 2016 bereitete er sich in einem Vorbereitungskurs auf die Kenntnisprüfung vor, die er danach in der Göttinger Universitätsmedizin erfolgreich ablegte. Im April 2016 erhielt er seine Approbation als Arzt vom Niedersächsischen Zweckverband für die Approbationserteilung (NiZzA). Er lebt mit seiner Familie in Hannover und arbeitet als Assistenzarzt bei den HELIOS Kliniken Mittelweser GmbH in Nienburg und will die Facharztweiterbildung zum Kardiologen beginnen.

Am Ende des erfolgreichen Prozesses der beruflichen Integration sagt Barat Ahmad: "Von der ÄKN wurde ich sehr gut beraten und motiviert. Ihrer freundlichen Unterstützung zufolge habe ich heute meine Approbation und arbeite als Arzt."

Mostafa Rasheed ist syrischer Kurde und stammt aus einem Dorf in der Nähe von Aleppo. Dort hat er Medizin studiert und das Studium 2003 abgeschlossen. Danach hat er sich in der Notfallmedizin spezialisiert und 2009 seinen Facharzt erlangt. 2015 floh er auf zahllosen Umwegen nach Deutschland und war zunächst von Abschiebung bedroht. Autodidaktisch bereitete er sich auf die Fachsprachprüfung vor. Die für die Berufserlaubnis und Approbation nötigen Unterlagen zu beschaffen, war nicht einfach: Ein Certificate of Good Standing vorzuweisen war ihm nicht möglich, nach Damaskus zu reisen nach seiner Einschätzung zu gefährlich.

Mit Unterstützung durch den Ärztekammer-Lotsen Professor Dr. med. Gerhard Pott gelang es ihm, im zweiten Anlauf die Fachsprachprüfung zu bestehen - er erhielt die Berufserlaubnis und arbeitet seit dem 1. März in der Rheumatologischen Abteilung der Fachklinik Bad Bentheim.

Rasheed, der mit Frau und drei Kindern in Nordhorn lebt, ist hin- und hergerissen, wenn es um die Beurteilung des deutschen Gesundheitssystems und des Arztdaseins im Vergleich zu seiner Heimat geht. "Wir hatten in Syrien mehr Medizin als Dokumentation. In Deutschland ist das umgekehrt. Wir hatten mehr Patientenkontakt, aber längst nicht solch große Labors und Medizintechnik wie hier. Richtig gut ist allerdings die Krankenversicherung in Deutschland."

Nun wartet Rasheed auf die Erteilung der Approbation und hofft, die dafür erforderliche Kenntnisprüfung zu bestehen. Sein Ziel ist die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner.

Durchaus recht positive Beispiele - so wird man sagen, die noch besser "in Serie gehen" könnten, wenn mehr Hospitationsmöglichkeiten für "Ärzte im Asyl" in Niedersachsen zur Verfügung stünden. Kliniken und Praxen, die Hospitationen für "Ärzte im Asyl" anbieten möchten, können der ÄKN ihr Angebot online übermitteln - und auch Lotsen sind gefragt:


Verfasser/in:
Raimund Dehmlow
Online-Redaktion der Ärztekammer Niedersachsen
Berliner Allee 20, 30175 Hannover
raimund.dehmlow@aekn.de


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