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aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Klinik und Praxis

Sexualaufklärung im Internet – Fluch oder Segen?


 


Ist mein Penis zu klein? Wann wachsen meine Brüste? Was passiert beim ersten Mal? über Generationen hinweg stellen sich Mädchen und Jungen die gleichen Fragen rund um den eigenen Körper, zur erwachenden Sexualität. Im Gegensatz zu früher haben sich das Internet und die "Sozialen Medien" neben Schule, Gleichaltrigen und Elternhaus zu gewichtigen Informationsquellen entwickelt. Die Flut an Information im Netz, der unbegrenzte Zugriff auch auf pornografische Inhalte bereiten vielen Eltern und Pädagogen Unbehagen bis Sorgen.

Oft ist dies unbegründet: Jugendliche können in der Regel differenzieren, was in die reale Welt gehört und was virtuellen (Wunsch-)Welten geschuldet ist. Darin waren sich die Referenten einig, die die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) Anfang April zur gut besuchten Fachtagung "Sexualaufklärung Online" nach Hannover eingeladen hatte. Helge Jannink vom Institut für Sexualpädagogik (isp) entlarvte Berichte über die "sexuelle Verwahrlosung" junger Menschen oder die "Generation Porno" als medial aufgebauschte Debatten. Der Diplompsychologe stellte repräsentative Trends vor, die sich aus einer Reihe aktueller Studien ablesen lassen: Danach sind junge Menschen in Deutschland heute mehrheitlich sehr gut aufgeklärt, keineswegs promiskuitiv, sondern gehen verantwortungsvoll und partnerschaftlich mit Sexualität und Verhütung um.

Das bestätigte Professorin Dr. Nicola Döring von der TU Ilmenau. Die Medienpsychologin plädiert dafür, Off- und Onlineangebote stärker zu vernetzen, zugleich die positiven Aspekte von Sexualität wie Lebensfreude, Glück, Spaß, Intimität und Lust zu verstärken, anstatt nur Risiken und Gefahren jugendlicher Sexualität zu beschwören. Um "entspannte Antworten" auf Fragen, die Teenager weder den Eltern noch in der Schule stellen wollen, bemüht sich auch die Hamburger Journalistin und Medienwissenschaftlerin Kristina Weitkamp. Im Auftrag von ARD und ZDF hat die 29-Jährige seit Herbst 2016 auf dem von nahezu jedem Jugendlichen täglich genutzten "YouTube"-Portal einen eigenen Kanal. Unter dem Titel "Fickt euch! Ist doch nur Sex" produziert sie dafür unter Regie des MDR Kurzfilme wie "Sex trotz Periode?" oder "Mein größter Sexfehler". Pro Tag beantwortet sie außerdem bis zu 20 Anfragen ihres jungen Publikums. "Sex ist kein Schmuddelkram, ist aber auch nicht wie im Porno, es gibt keine Norm", lautet Weitkamps Motto. Fazit der Fachtagung: Webbasierte Angebote sollten nicht grundsätzlich als (minderwertige) Konkurrenz wahrgenommen werden. Sie können zeitgemäße Ergänzungen zu Elternhaus und herkömmlicher Sexualpädagogik sein. Eltern und Erwachsene, die beruflich mit Pubertierenden zu tun haben, sollten für Fragen der Sexualität ein offenes Ohr haben, sorgfältig zuhören und jungen Menschen dabei helfen, das überangebot an Information und "Beratung" einzuordnen.

Verfasser/in:
Britta Grashorn





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