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nä 05/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Praxis & Versorgung

Das Netz ist geknüpft

Schiedsamt legt Finanzierung der Erstausstattung der Praxen für die Telematik-Infrastruktur fest. Was kommt auf die Praxen zu?


 


Eine Kommunikationsplattform für alle Akteure im Gesundheitswesen: Die Telematikinfrastruktur (TI) soll sämtliche Akteure des deutschen Gesundheitswesens vernetzen. So der Wunsch der Politik. Das Projekt ist gigantisch. Hunderttausende Nutzer aus unterschiedlichen Bereichen werden zukünftig an das Netz angeschlossen sein und hochsensible personenbezogene Daten austauschen. Sämtliche Online-Anwendungen wie der Versand elektronischer Arztbriefe oder Telekonsile sollen künftig über die TI laufen. Grundlage für dieses Projekt ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Ursprünglich sollte die eGK im vollen Nutzungsumfang als Vehikel für die bessere Kommunikation im Gesundheitswesen schon 2006 kommen. 2017 - elf Jahre später - ist es nun soweit.

Beschleunigend für die Umsetzung hat das "Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz)" gewirkt. Das Gesetz aus dem vergangenen Jahr enthält einen konkreten Fahrplan für die Einführung einer digitalen Infrastruktur. So wird der gematikIndustrie ein Zeitfenster für die bundesweite Einführung der Telematik-Infrastruktur festgeschrieben. Bis Mitte 2018 sollen Arztpraxen und Krankenhäuser flächendeckend an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein (flächendeckender Roll-out). Es zeigt sich, dass die Fristen und die damit verbundenen Sanktionen dazu geführt haben, dass alle Beteiligten jetzt sehr intensiv daran arbeiten, den vorgegebenen Zeitrahmen einzuhalten.

Verschiedene Komponenten wie die Kartenterminals für die eGK oder die Konnektoren, die die Verbindung zwischen Praxis und sicherer Datenautobahn herstellen, werden zurzeit aufwändigen Testverfahren unterzogen und dann zertifiziert. So soll ein geschütztes, sektorenübergreifendes Netzwerk entstehen. Die Nutzung der Telematikinfrastruktur durch Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten ist zukünftig nur nach eindeutiger Identifikation mit dem elektronischen Heilberufsausweis oder der Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) möglich.

Mit der neuen eGK sind bereits jetzt alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen ausgestattet. Derzeit wird sie jedoch nur offline genutzt. Sobald die Telematikinfrastruktur zur Verfügung steht, werden auch Online-Anwendungen mit der eGK möglich sein. Als erste Anwendung hat der Gesetzgeber das sogenannte Versichertenstammdatenmanagement vorgeschrieben, die Aktualisierung der Versichertendaten wie Name und Adresse auf der eGK. Die elektronische Speicherung von Notfalldaten und des Medikationsplans auf der eGK sollen sukzessive folgen.

Verantwortlich für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die "Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte", kurz gematik. Gesellschafter der gematik sind die Spitzenverbände des deutschen Gesundheitswesens, darunter die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer, der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.

Erstausstattung der Praxen


Die Verhandlungen zur Finanzierung der Erstausstattung der Praxen für die Telematikinfrastruktur waren in den vergangenen Wochen gescheitert. KBV und GKV-Spitzenverband trennten sich nach mehreren Verhandlungsrunden ohne Ergebnis. Nach den gesetzlichen Vorgaben sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für die Erstausstattung der Praxen und den laufenden Betrieb in voller Höhe zu übernehmen. KBV und GKV-Spitzenverband sollten dazu bis Ende März eine Finanzierungsvereinbarung treffen, damit der Anschluss der Praxen durch den sogenannten Online-Rollout ab Juli beginnen kann. Die Verhandlungen waren immer wieder gescheitert.

Nun hat das Bundesschiedsamt entschieden. Die Vereinbarung liegt in Eckpunkten vor, die nun noch bis Mitte Mai ausformuliert werden. Sie gilt ab 1. Juli 2017 und bezieht sich sowohl auf die Finanzierung der Kosten für die Erstausstattung als auch für den laufenden Betrieb. Im Einzelnen wurde vereinbart:
Erstattungsbetrag für die einmalige Anschaffung eines Konnektors (mit Funktion für qualifizierte elektronische Signatur QES): 2.620 Euro. Dieser Betrag gilt für das dritte Quartal 2017. In den drei Folgequartalen sinkt dieser Betrag um jeweils zehn Prozent (also viertes Quartal 2017 bis zweites Quartal 2018), wobei jeweils der Zeitpunkt der Installation in der Arztpraxis ausschlaggebend ist.
Erstattungsbetrag Stationäres Kartenterminal: 435 Euro.
Erstattungsbetrag Mobiles Kartenterminal: 350 Euro

Hinzu kommt noch eine Startpauschale von einmalig 900 Euro sowie von definierten Beträgen für den laufenden Betrieb.

Was kommt auf die Praxen zu?


Für die Praxen bedeutet dies, dass für eine Anbindung an die TI neue technische Komponenten, etwa ein Konnektor, angeschafft und installiert werden müssen. Der Konnektor verbindet, ähnlich wie ein Internet-Router, das Praxis-IT-System mit der "Außenwelt" und schirmt mithilfe moderner Verschlüsselungstechnologie die Nutzung der über die TI angebotenen elektronischen Anwendungen vom Internet ab.

Die bisherigen Kartenterminals werden voraussichtlich durch neue, von der gematik zertifizierte Kartenterminals ausgetauscht. Darüber hinaus wird für die Ausstattung der Praxis eine elektronische Institutionskarte (SMC-B) als "Praxisausweis" benötigt sowie - zu einem späteren Zeitpunkt - der elektronische Heilberufsausweis (eHBA), der den jeweiligen Arzt, Psychotherapeuten oder Apotheker eindeutig im elektronischen Netz identifiziert und eine rechtssichere digitale Unterschrift (QES) ermöglicht.

Die technischen Komponenten werden nach dem erfolgreichen Abschluss der Erprobungsphase voraussichtlich im vierten Quartal 2017 am Markt verfügbar sein. Die Institutionskarte erhalten niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten über die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), den elektronischen Heilberufsausweis auf Antrag bei der Ärztekammer Niedersachsen.

Die Beschaffung und Installation erfolgt durch einen zugelassenen IT-Dienstleister, das heißt durch das Systemhaus, das auch das Praxisverwaltungssystem betreut.

Die KVN wird in den kommenden Wochen sukzessive über die nächsten Schritte des Rollouts informieren. Dies geschieht durch persönliche Anschreiben und Informationen im KVN-Rundschreiben, im niedersächsischen ärzteblatt und auf den Internetseiten.

Verfasser/in:

KVN




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