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nä 05/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Arzneimittel & Veror

Brustspannung unter Spironolacton

Ein erhöhtes Brustkrebs-Risiko besteht nicht


 

Anfrage an ATIS
Dr. D., Facharzt für Allgemeinmedizin, betreut eine Patientin mit Z.n. Mammakarzinom, dilatativer Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz (NYHA III) mit implantiertem Cardioverter/Defibrillator (ICD) aufgrund einer Sarcoidose. Die Patientin wird mit Carvedilol, Valsartan/Hydrochlorothiazid, Prednisolon, Pantoprazol (40 mg/Tag), Tamoxifen und Amitriptylin zur Nacht behandelt. Der Kollege fragt: "Wäre es möglich, die Herzinsuffizienztherapie zu intensivieren und zusätzlich Spironolacton zu verordnen? Die Patientin verspürt bei Spironolacton-Einnahme eine Brustspannung und befürchtet ein Rezidiv des Mammakarzinoms. Wäre Eplerenon eine Alternative? Gibt es positive Erfahrungen zu Entresto®?"

Antwort von ATIS
Bei Frauen und Männern unter Spironolacton-Therapie kommt es häufig und dosisabhängig zu einer gesteigerten Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen und Brustspannung (1, 2). Ein erhöhtes Brustkrebs-Risiko bzw. Rezidiv-Risiko besteht nicht, wie durch umfangreiche retrospektive Analysen mit mehreren tausenden Patientinnen belegt ist (3-5).

Sacubitril/Valsartan (Entresto®) ist seit 2016 zur Behandlung der symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion zugelassen und stellt eine leitliniengerechte Therapieoption bei unzureichender Wirksamkeit der Standard-Therapie dar (6). Allerdings fehlen noch Erfahrungen zur Langzeit-Sicherheit, insbesondere in speziellen Patientenkollektiven. über eine Intensivierung der Herzinsuffizienztherapie sollte der behandelnde Kardiologe entscheiden.

Eplerenon wäre im vorliegenden Fall wie auch allgemein eine gute Alternative, wenn Spironolacton wegen seiner endokrinen Nebenwirkungen nicht toleriert wird. Bei Kombination von Eplerenon mit einem Sartan oder ACE-Hemmer sollte eine engmaschige Kalium-Kontrolle gewährleistet werden.

Hinweis


Die Indikation für Pantoprazol geht aus der Anfrage nicht hervor und sollte überprüft werden. Eindeutige Indikationen wären gastroduodenale Ulzera, Refluxösophagitis, Helicobacter-Eradikation, Zollinger-Ellison-Syndrom sowie Ulkus-Prophylaxe bei NSAR-Therapie. Bei gegebener Indikation beträgt die übliche prophylaktische Pantoprazol-Dosis 20 mg/Tag.


Verfasser/in:
Dr. med. Kristine Chobanyan-Jürgens
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover


PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover



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Literatur


1. Fachinformation; Fachinfo CD, BPI Service GmbH 2017
2. Gelman CR, Rumack BH & Hess AJ (Eds): MICROMEDEX® Arzneimittel-Information, DRUGDEX® System, Inc., Englewood, Colorado, 2017
3. Biggar RJ, Andersen EW, Wohlfahrt J, Melbye M: Spironolactone use and the risk of breast and gynecologic cancers. Cancer Epidemiol 2013; 37: 870-5
4. Mackenzie IS, Macdonald TM, Thompson A, Morant S, Wei L: Spironolactone and risk of incident breast cancer in women older than 55 years: retrospective, matched cohort study. BMJ 2012; 345: e4447
5. Jick H, Armstrong B. Letter: Breast cancer and spironolactone. Lancet 1975; 2: 368-9
6. Ponikowski P, Voors AA, Anker SD, Bueno H, Cleland JG, Coats AJ, et al: 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure: The Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC). Developed with the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur Heart J 2016; 37: 2129-200

Kontakt zu ATIS


Alle Anfragen zur Arzneimitteltherapie können auf folgendem Wege an ATIS gestellt werden: Vorzugsweise per Fax: 0511 380 100 3462, Telefon: 0511 380-3222. Postanschrift: KV Niedersachsen, Frau Dr. rer. biol. hum. Friederike Laidig, Berliner Allee 22, 30175 Hannover. Die ATIS-Homepage mit elektronischem Anfrageformular ist im KVN-Mitgliederportal unter Verordnungen > Arzneimittel > therapeutische Informationen zu finden. Wir bitten aus organisatorischen Gründen, Anfragen an die genannte KVN-Adresse zu richten. Ihre Anfrage wird dann entweder dort direkt beantwortet oder an das Institut für Klinische Pharmakologie der MHH weitergeleitet.


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