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nä 05/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Praxis & Versorgung

Patientenmobil Leer zieht weitere Kreise

KVN und Gesundheitsregion Landkreis Leer erweitern ab Ende April 2017 ihr Angebot, mit einem Patientenmobil ältere und mobilitätseingeschränkte Patienten zu Ärzten in Leer zu bringen


 

Das Modellprojekt "Patientenmobil" im Landkreis Leer wird ausgeweitet. Ab Ende April können künftig auch Patienten aus einem erweiterten Umkreis um Leer ein Patientenmobil in Anspruch nehmen, wenn sie in der Stadt Leer einen Behandlungstermin bei einem Arzt haben. Damit reagiert die Gesundheitsregion Leer auf die hohe Akzeptanz des Angebotes, das bislang auf die Gemeinden Jemgum, Bunde und Stadt Weener beschränkt war.

Seit dem 24. April 2017 bietet die "Gesundheitsregion Leer" Patienten aus den Orten Völlen und Mitling-Mark in Gemeinde Westoverledingen montags und mittwochs Fahrten zu ihren Ärzten nach Weener an. Eine weitere Ergänzung greift seit dem 25. April: Dann können auch Patienten aus der Gemeinde Rhauderfehn jeweils dienstags- und donnerstagsvormittags ein Patientenmobil ordern, um ihre Ärzte in der Stadt Leer zu erreichen. Abhängig von der Nachfrage wird dieser Bus im Wechsel in der Gemeinde Westoverledingen eingesetzt.

Neue Ideen aus den Gesundheitsregionen


Das Modellprojekt "Patientenmobil" wird seit dem 25. Oktober 2016 für ein Jahr erprobt. Es ist eines von vier medizinischen Versorgungsprojekten, die vom Lenkungsgremium der "Gesundheitsregionen Niedersachsen" auf Landesebene für eine Förderung ausgewählt worden sind. Ein Arbeitskreis, besetzt mit Vertretern der relevanten Akteure, wird das Projekt während der gesamten Laufzeit evaluieren und weiterentwickeln.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, Bezirksstelle Aurich, und der Landkreis Leer setzen das "Patientenmobil" ein, um mobilitätseingeschränkte Patienten aus dem Umland nach Leer zu bringen, wenn sie dort einen Arzt erreichen wollen. Mit diesem Angebot stellen sich die Projektpartner absehbaren Herausforderungen in der medizinischen Versorgung. "Die Gesundheitsregion bietet den Rahmen, um gemeinsam mit verschiedenen Akteuren neue Ideen zur Gesundheitsversorgung zu entwickeln und auszuprobieren", so der Leeraner Landrat Matthias Groote. "Doch das entlässt uns nicht aus der Pflicht, alle Anstrengungen für die Gesundheitsversorgung vor Ort zu unternehmen."

Der KVN-Vorstandvorsitzende Mark Barjenbruch zog auf einer Pressekonferenz am 20. April 2017 in Leer eine positive Bilanz des bisherigen Projektverlaufes: In der Zeit vom 25. Oktober 2016 bis 28. Februar 2017 wurden 73 Personen nach Leer und 69 Personen wieder zurück ins Rheiderland gebracht. Dabei wurden 3.017 Kilometer zurückgelegt. "Befürchtungen unter der Ärzten ín Leer, der Zeittakt der Patientenbusse könnte die Praxisorganisation durcheinander bringen, haben sich nicht bestätigt. Ärzte und Patienten sind durchweg zufrieden."

Ein großer Teil der Haus- und Fachärzte im Landkreis konzentriert sich in der Stadt Leer. Zunehmend müssen Bewohner aus den umliegenden ländlichen Gebieten nach Leer kommen, wenn sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Doch immer mehr Menschen sind aufgrund ihres Alters nicht mehr in der Lage, selbst mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Sie sind auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.

Vielfältige Ansätze


Die Zahl der über 65-Jährigen und insbesondere der über 80-Jährigen wird im Landkreis Leer in den nächsten Jahren stark ansteigen. "In zwanzig Jahren wird im Landkreis Leer der Anteil der über 60-jährigen an der Bevölkerung bei über 50 Prozent liegen", umriss die niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt das Problem. Diese Patientengruppe erfordere neue Lösungsansätze, die jedoch den Regionen nicht "übergestülpt" werden könnten: "In den Regionen Niedersachsens herrschen extrem unterschiedliche Anforderungen an die Gesundheitsversorgung." Die "Gesundheitsregionen" seien daher aufgerufen, auf die örtlichen Gegebenheiten zugeschnittene Gesundheitsangebote zu entwickeln. Rundt zählte eine ganze Palette von Initiativen zur Stärkung der ärztlichen Versorgung im Land Niedersachsen auf: Die Telemedizin solle ausgebaut und eine "Landarztquote" auf den Weg gebracht werden. Auch die Gesundheitsregionen sollten nach 2018 weiterlaufen.

Abgerückt sei man dagegen von dem Konzept des "Ärztebusses", das vor einigen Jahren im Landkreis Wolfenbüttel erprobt worden war. "Der Arzt ist der Engpassfaktor", machte Rundt klar, "der soll keine Wegezeit verlieren."


Verfasser/in:

KVN




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Von Tür zu Tür


In den Gemeinden Jemgum, Bunde, Stadt Weener, Völlen, Witling-Mark sowie Rhauderfehn ist das Patienenmobil an zwei Tagen in der Woche von 9.00 Uhr - 12.00 Uhr unterwegs. Die Abholung vom Wohnort erfolgt zwischen 9.00 und 9.15 Uhr, die Rückfahrten von der jeweiligen Arztpraxis beginnen zwischen 11.15 und 11.30 Uhr. Als Fahrzeuge stehen sowohl PKW als auch Kleinbusse zur Verfügung. Grundsätzlich ist die Mitnahme von zusammenklappbaren Rollstühlen oder Rollatoren möglich. Der Fahrpreis beträgt 4,60 Euro je Fahrt.


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