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aktualisiert am: 16.10.2017

 

  Klinik und Praxis

Dritte starke Influenzasaison in Folge

Ergebnisse der ARE-Surveillance in Niedersachsen (Surveillance der Influenza- und anderer akuter respiratorischer Erkrankungen)


 



Abb. 1


Abb. 2


Abb. 3


 

Kinder spielen durch ihre hohe Empfänglichkeit für Infektionen, eine längere Virusausscheidung und durch die engen Kontakte untereinander eine bedeutsame Rolle für die übertragung von respiratorischen Infektionen und stehen deshalb im Fokus der aus zwei Modulen bestehenden ARE-Surveillance. In der symptomatischen Surveillance wird der ARE-bedingte Krankenstand in vorschulischen Kindertageseinrichtungen erfasst. Für das virologische Modul werden Rachenabstrichproben von Personen mit ARE-Symptomatik, überwiegend aus Kinderarztpraxen, aber auch von Allgemeinärzten und vier Krankenhäusern in Niedersachsen auf Adeno-, Influenza-, Metapneumo-, Picorna- und Respiratory Syncytial-Viren (RSV) getestet. Durch die sich ergänzenden Module können auf Landesebene Aussagen zu Ausbreitung, Schweregrad und Erregerspektrum der ARE und damit auch der Influenza getroffen werden. Nähere Informationen zum methodischen Vorgehen sind zu finden unter: http://www.are-surveillance.nlga.niedersachsen.de

Abbildung 1 veranschaulicht den ARE-Krankenstand in den teilnehmenden Kindertageseinrichtungen in der jeweiligen Woche durch die Gesamthöhe der Balken. Die Einfärbung der Balken erfolgt gemäß der prozentualen Virusnachweise in den Abstrichproben aus den Kinderarztpraxen. Die Saison 2013/2014 war eine äußerst schwache Influenzasaison. Der maximale ARE-Krankenstand erreichte hier nur knapp 12 Prozent, Influenzaviren wurden nur sehr selten nachgewiesen (rote Balken). Die drei folgenden Saisons waren durch eine hohe Influenzaaktivität gekennzeichnet. Die ARE-Krankenstände erreichten in diesen Saisons über 15 Prozent, und der Anteil der Influenzanachweise in den eingesandten Proben lag zeitweise über 50 Prozent.

In der aktuellen Saison 2016/2017 stiegen ARE-Krankenstand und Influenzanachweise besonders früh im Jahr steil an, was eine besonders starke Influenzasaison befürchten ließ. Aber ebenfalls ungewöhnlich früh, nämlich ab der 8. Kalenderwoche, sanken beide Parameter kontinuierlich ab, sodass die Influenzasaison deutlich früher als in den vorhergehenden Jahren beendet war. Auffällig ist außerdem die besonders hohe Nachweisrate von RSV (Respiratory Syncytial Viren, orange in Abb. 1) in Verbindung mit einer sehr hohen Rate von Erregernachweisen insgesamt (farbiger Anteil der Balken, Abb. 1). Das bedeutet, dass mit den für die virologische Surveillance durchgeführten Tests auf Influenzaviren, RSV, Picornaviren, Adenoviren, und Metapneumoviren ein sehr hoher Anteil der zirkulierenden ARE auslösenden Erreger identifiziert werden konnte, und somit ARE nur selten durch andere Krankheitserreger verursacht wurde.

Abbildung 2 zeigt für die Jahre von 2004 bis 2017 jeweils den Beginn und das Ende der epidemischen Phase (hier definiert als Influenza-Positivrate >20 Prozent), den Zeitraum mit einem ARE-Krankenstand über 14 Prozent sowie den Zeitpunkt und die Höhe der maximalen Influenza-Positivrate.

Eine hohe Infektionsrate mit einem Virus hinterlässt in der Regel eine hohe variantenspezifische Bevölkerungsimmunität. In diesem Zusammenhang ist eine Betrachtung der in den jeweiligen Saisons aufgetretenen Subtyp-Varianten von Interesse (Abb. 3). Der in der Saison 2016/2017 vorherrschende Influenza-Subtyp A(H3N2) trat in der vorhergehenden Saison 2015/2016 kaum auf, während A(H1N1)pdm09 in der Saison 2015/2016 häufig nachgewiesen wurde und in der aktuellen Saison (2016/2017) keine Rolle spielte. In der Saison 2015/2016 trat außerdem Influenza B (Victoria-Linie) sehr häufig auf, und bei den ohnehin wenigen Influenza B-Nachweisen in 2016/2017 herrschte die Yamagata-Linie vor.

Das Auftreten von drei starken Influenzasaisons nacheinander kann also unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass jeweils unterschiedliche Subtyp-Varianten vorherrschten, gegen die im entsprechenden Vorjahr keine natürliche Immunisierung erfolgte.

Verfasser/in:
Dr. med. Dagmar Ziehm, MPH
Nieders. Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4 bis 6, 30449 Hannover
dagmar.ziehm@nlga.niedersachsen.de
Dr. med. Armin Baillot
Nieders. Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4 bis 6, 30449 Hannover



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