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nä 10/2017
aktualisiert am: 16.10.2017

 

  Politik & Verbände

Patienten sehen ihre Gesundheit optimistisch

KBV-Versichertenbefragung 2017: Patienten sind mit ihren Ärzten zufrieden – aber im Notfall gehen sie gleich ins Krankenhaus. Und über Beschwerden und Diagnosen informieren sie sich vorab im Internet


 


Für die jährliche Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wurden im Mai/ Juni 2017 bundesweit insgesamt 6.105 zufällig ausgewählte Personen telefonisch befragt - davon 479 in Niedersachsen. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Wir stellen die wichtigsten Antworten aus Niedersachsen den bundesweiten Ergebnissen (D. ...) gegenüber.

Erstes Ergebnis: Wie im Vorjahr haben 93 Prozent der Befragten in Niedersachsen ein "gutes" bis "sehr gutes" Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt (D. 91 Prozent). 84 Prozent aller 18- bis 79-jährigen Bürgerinnen und Bürger (D. 85 Prozent) geben an, dass sie in den letzten zwölf Monaten beim Arzt in der Praxis waren, um sich selbst behandeln oder beraten zu lassen - diese Angaben sind im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert. Davon waren 38 Prozent (D. 37 Prozent) nur beim Hausarzt, beim Haus- und Facharzt 38 Prozent (D. 37 Prozent).

Von denen, die beim Hausarzt gewesen sind, waren 42 Prozent 1-2mal dort (D. 43 Prozent); 11 Prozent (D. 8 Prozent) waren über 10mal in der Praxis. Anders bei den Fachärzten: Sie wurden von 28 Prozent der Befragten 1-2mal im Jahr (D. 25 Prozent) aufgesucht, von 22 Prozent 3-10mal (D. 24 Prozent). Nur 2 Prozent der Befragten waren mehr als 10 mal beim Facharzt gewesen (D. 4 Prozent). Unter den Fachärzten besonders häufig kontaktiert wurden Frauenärzte, Orthopäden und HNO-Ärzte; wenig frequentiert waren Radiologen, Hautärzte, Rheumatologen und Diabetologen. Interessant dabei: Von denen, die in den letzten 12 Monaten bei einem Facharzt gewesen waren, waren nur 28 Prozent auf überweisung dort (D. 34 Prozent). Fast immer (96 Prozent) (D. 83 Prozent) kam die überweisung vom Hausarzt. Aber nur in 11 Prozent aller Fälle hatte die Hausarztpraxis nach Wahrnehmung der Versicherten den Facharztbesuch auch selbst koordiniert (D. 10 Prozent). Dabei waren 49 Prozent der Facharztbehandlungen von den Hausärzten als dringlich eingestuft worden (D. 53 Prozent).

Schnelle Behandlungen

Auf die Frage: "Wie lange hat es gedauert, bis Sie für Ihren letzten Praxisbesuch einen Termin bekommen haben?", antworteten 32 Prozent, sie hätten sofort einen Termin erhalten (D. 27 Prozent). Einen Tag dauerte es bei 7 Prozent (D. 7 Prozent), 2 bis 3 Tage warten mussen 10 Prozent (D. 9 Prozent). Ebenfalls 10 Prozent hatten eine Wartezeit von einer Woche (D. 11 Prozent), 11 Prozent von bis zu drei Wochen (D. 13 Prozent). Aber bei immerhin 16 Prozent dauerte es mehr als drei Wochen, bis sie den Arzt sahen (D. 15 Prozent). Deutliche Unterschiede gab es bei der Wartezeit zwischen Haus- und Fachärzten: Sofort einen Termin hatten beim Hausarzt 39 Prozent der Befragten erhalten, beim Facharzt aber nur 19 Prozent. Dagegen dauerte es beim Facharzt für 12 Prozent der Befragten bis zu einer Woche, für 17 Prozent sogar bis zu drei Wochen, bis sie einen Termin erhalten hatten.

Der Arzt lässt sich nur schwer ersetzen


Wären Versicherte auch bereit, sich bei kleineren Erkrankungen in der Arztpraxis von speziell dafür ausgebildeten Arzthelferinnen versorgen zu lassen? 68 Prozent der Befragten antworteten darauf mit "ja" (D. 68 Prozent) - die meisten, weil sie sich davon versprechen, schneller in die Sprechstunde zu kommen, einen früheren Behandlungstermin oder eine schnellere Behandlung zu erhalten. Die Entlastung des Arztes steht erst an vierter Stelle der Antworten.

Lehnt man die Behandlung durch eine Arzthelferin ab, kommt es auch auf deren Qualfikation nicht an. "Will nur zum Arzt" gaben 41 Prozent (D. 35 Prozent) an. 14 Prozent würden sich mit der Arzthelferin zufrieden geben, wenn diese über eine besondere Qualifikation verfügte (D. 12 Prozent); zehn Prozent möchten Informationen über diese Qualifikation haben. Und für neun Prozent käme diese Möglichkeit nur bei kleineren Behandlungen in Betracht (D. 10 Prozent). Auch bei einer chronischen Erkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck wären nur 50 Prozent der Ablehnenden bereit, sich einer Arzthelferin anzuvertrauen (D. 53 Prozent), 41 Prozent dagegen nicht (D. 38 Prozent).

Terminservicestellen kaum genutzt


Seit gut einem Jahr gibt es die Terminservicestellen der KVen. Was wissen die Versicherten davon? Immerhin rund zwei Drittel gaben an, davon gehört zu haben (65 Prozent, D. 60 Prozent). Von denen, die sie kannten, hatten sechs Prozent die Terminvermittlung schon einmal in Anspruch genommen (D. 9 Prozent). Ihre Erfahrungen mit den Servicestellen sind durchwachsen: 19 Prozent bezeichneten sie als sehr gut (D. 30 Prozent), 26 Prozent als gut (D. 31 Prozent), 37 Prozent als weniger gut (D. 20 Prozent), 18 Prozent als überhaupt nicht gut (D. 18 Prozent).

Besser versorgt als gefühlt?


Ärztemangel und ärztliche Versorgung werden von der Patientenschaft offenbar deutlich anders wahrgenommen als die Zahlen der Bedarfsplanung nahelegen. Immerhin 68 Prozent der Befragten sind der Meinung, es gebe genügend Hausärzte an ihrem Wohnort (D. 73 Prozent), "zu wenig" fanden 27 Prozent (D. 22 Prozent). Aber nur sechs Prozent gaben an, schon einmal Probleme gehabt zu haben, einen geeigneten Hausarzt zu finden. Bei den Fachärzten ist die Wahrnehmung anders: 47 Prozent waren der Auffassung, es gebe an ihrem Wohnort genügend Fachärzte (D. 51 Prozent), 49 Prozent meinten, es seien "zu wenig" (D. 43 Prozent). Tatsächlich Probleme, einen geeigneten Facharzt zu finden, hatten aber nur 21 Prozent der Befragten (D. 22 Prozent) gehabt. Als "schwer erreichbar" wurden vor allem Orthopäden, Hautärzte, HNO-Ärzte und Rheumatologen wahrgenommen.

Im Falle eines Falles ...


Wird nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigt, wenden sich 56 Prozent der Befragten an die Ambulanz im Krankenhaus (D. 47 Prozent), 19 Prozent würden den Notarzt oder Rettungsdienst rufen (D. 24 Prozent), 18 Prozent in die kassenärztliche Bereitschaftsdienstpraxis gehen (D. 20 Prozent). Die einheitliche Bereitschaftsdienstnummer 116117 ist nur 12 Prozent der Befragten bekannt (D. 9 Prozent). Den Notruf 112 kennen aber mit nur sechs Prozent (D. neun Prozent) noch weniger.

E-Health noch in den Kinderschuhen


Der Markt mit Gesundheits-Apps boomt, aber durchgesetzt haben sie sich noch nicht. Zwar nutzen 79 Prozent der Befragten ein Smartphone (D. 75 Prozent), doch nur 18 Prozent der Smartphone-Besitzer nutzen auch Gesundheits-Apps, 82 Prozent dagegen nicht. Auch spezielle Apps zur überwachung oder Kontrolle von Krankheiten sind noch nicht weit verbreitet - nur 14 Prozent derer, die Gesundheits-Apps verwenden, nutzen sie für solche Kontrollzwecke (D. 14 Prozent).

Ein ähnliches Schattendasein fristet auch die bundesweite Arztsuche-App der KBV. Selbst von denjenigen, die ein Smartphone besitzen und Gesundheits-Apps nutzen, greifen nur 5 Prozent auf die KBV-App zu (D. 12 Prozent). Wer Gesundheits-Apps nutzt, nutzt sie vor allem zur Information über gesundheitliche Themen - das tun 43 Prozent derer, die ein Smartphone besitzen und Gesundheits-Apps nutzen (D. 34 Prozent).

Oder misstrauen die Nutzer den digitalen Gesundheitswächtern noch? Gefragt, ob Apps aus dem Gesundheitsbereich mit einem Gütesiegel ausgezeichnet werden sollten, hielten 21 Prozent der Smartphone-Nutzer dies für sehr wichtig (D. 25 Prozent), 42 Prozent für wichtig (D. 36 Prozent), nur 27 Prozent für weniger oder überhaupt nicht wichtig (D. 33 Prozent).

Wohlfühlen ist alles


Vielleicht fehlt einfach der Leidensdruck, um das Smartphone intensiver mit der eigenen Gesundheit zu befassen. Nach ihrem Gesundheitszustand befragt antworteten 17 Prozent der Befragten, er sei "ausgezeichnet" (D. 15 Prozent), 20 Prozent gaben an, er sei "sehr gut" (D. 23 Prozent), 43 Prozent fanden ihn "gut" (D. 42 Prozent), nur 16 Prozent "weniger gut" (D. 15 Prozent). Entsprechend sahen in gesundheitlicher Hinsicht 82 Prozent der Befragten optimistisch in die Zukunft (D. 82 Prozent), nur 14 Prozent waren pessimistisch (D. 14 Prozent).

Fazit


Die Ergebnisse der Patientenbefragung sind kaum überraschend. Wartezeiten spielen für Patienten nur eine untergeordnete Rolle; die Terminservicestellen werden wenig genutzt. Zwei Drittel der Befragten wären auch bereit, sich einer Arzthelferin anzuvertrauen, wenn es mit der Behandlung dadurch schneller geht. Im Notfall geht man gleich ins Krankenhaus. Zugleich wird der Ärztemangel offenbar intensiver wahrgenommen, als man im Alltag mit ihm konfrontiert ist. Die überwachung des eigenen Gesundheitsverhaltens per App ist noch längst nicht so ausgeprägt, wie die Medien oft nahelegen. Doch mitreden wollen die Patienten bei der Behandlung schon - über Krankheiten und Therapie informieren sie sich rege im Internet.

Verfasser/in:

KVN




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