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nä 06/2018
aktualisiert am: 15.06.2018

 

  Aus den Verbänden

„Regresse für Hausärzte müssen abgeschafft werden!“

Für den Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Niedersachsen ist die Angst vor Medikamentenregressen ein Grund für fehlende Hausärzte


 


Nahezu täglich wird darüber diskutiert, wie wir Hausärzte für ländliche Regionen gewinnen können. Aber solange Hausärzte sogar für Antihistaminika bezahlen sollen, wird weder die Politik noch jemand anderes das Hausarztproblem lösen. Honorarkorrekturen vier Jahre nach der Abrechnung sind ein Unding! Solche Regresse müssen abgeschafft werden!, hat der niedersächsische Hausärzte-Chef Dr. med. Matthias Berndt zu Beginn des 34. Seminarkongresses Norddeutscher Hausärzte Anfang Mai in Lüneburg deutlich gemacht. Dabei bezieht er sich auf die zuvor angestoßenen Prüf- und Regressverfahren einiger Krankenkassen in Niedersachsen, vor allem bei Medikamenten für Allergiker.

Nach Auffassung Berndts muss die Verschreibungsfähigkeit von Arzneimitteln in Zukunft eindeutiger geregelt sein: "Hier darf es keine Grauzone wie bei der OTC-Ausnahmeliste geben, die dazu führt, dass zwei Jahre später - wie aktuell durch die AOK Niedersachsen geschehen - Prüfaufträge und poten­ti­elle Regresse ausgesprochen werden." Berndt plädiert für eine eindeutige und von Krankenkassen und KBV oder dem Gemein­samen Bundesausschuss zu erstellende Negativliste von Arznei­mitteln, die öffentlich zugänglich ist, auch für Patienten. "Wir brauchen Verlässlichkeit und Rechtssicherheit für Ärzte und Pa­tienten", so Berndt. Seine Forderungen nahmen die Teilneh­mer des Politikforums - der traditionellen Podiumsdiskussion zum Auftakt des Kongresses - auf. über "Die zukünftige medizini­sche Versorgung in Niedersachsen - quo vadis?" diskutierten die Vizepräsidentin der Ärztekammer Marion Charlotte Renneberg, Claudia Schröder als stellvertretende Staatssekretärin vom niedersächsischen Sozialministerium, Mark Barjenbruch von der KVN, AOK-Vorstandsmitglied Jan Seeger und Dr. med. Uwe Lankenfeld vom Hausärzteverband Niedersachsen.

Keine Lippenbekenntnisse der Politik


Die Abschaffung von Regressen ist für Berndt nur ein Puzzleteil für eine gesicherte medizinische Primärversorgung der Bevölkerung. "Ich hoffe, die im Koalitionsvertrag angekündigte bessere Vergütung der hausärztlichen Versorgung und der sprechenden Medizin ist kein Lippenbekenntnis. Denn unser Honorar für einen Hausbesuch ist geringer als das Ausfüllen eines zweiseitigen Reha-Antrages. Das kann einfach nicht sein!", machte er deutlich.

Um langfristig den Bedarf an Hausärzten im Land decken zu können, müsse künftig einer von vier Medizinstudenten die Allgemeinmedizin wählen. Momentan sei es nur jeder Zehnte, so der Verbandschef. Die Weichenstellung dafür muss nach Auffassung des Verbandes schon an der Universität erfolgen. "Das gelingt nur, wenn die allgemeinmedizinischen Lehrstühle personell aufgestockt und deren Mitarbeiterzahl an die der anderen großen medizinischen Fachgebiete angepasst werden", so Berndt. Auch der Masterplan Medizinstudium 2020 sei eine sehr gute Grundlage, wenn er endlich umgesetzt würde, ebenso wie der Beschluss der Landesregierung, 200 mehr Medizinstudienplätze schaffen zu wollen.

Hausärzteverband baut eigene Initiativen aus


Kritisch sieht Berndt hingegen die Aktivitäten von Labor-MVZ und hochspezialisierten Facharztpraxen, die Hausarztsitze kaufen und somit der hausärztlichen Versorgung entziehen. "Dem müssen Kassen, KV und der Gesetzgeber endlich Einhalt gebieten. Durch Hausarztsitze müssen die Patienten hausärztlich versorgt werden!", fordert er. Auch der Hausärzteverband will seine Initiativen zur Nachwuchsförderung ausbauen. So wird der "North West Circle" im Herbst fortgesetzt - eine interaktive Seminarreihe von jungen Hausärzten für Ärzte in Weiterbildung. Außerdem bietet der Verband beim Kongress weiterhin das Seminar "Karriere Allgemeinmedizin" für Studierende kostenfrei an.

In Lüneburg nahmen 1.200 Seminarteilnehmer das angebotene 200-Stunden-Fortbildungsprogramm der norddeutschen Hausärzteverbände wahr.
Christiane Mahnke
Deutscher Hausärzteverband
Diskutierten über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung in Niedersachsen: Dr. Uwe Lankenfeld (von links) und Dr. Matthias Berndt vom Hausärzteverband Niedersachsen, ÄKN-Vizepräsidentin Marion Charlotte Renneberg, KVN-Vorsitzender Mark Barjenbruch, Claudia Schröder vom niedersächsischen Sozialministerium, AOK-Vorstandsmitglied Jan Seeger und Rüdiger Quandt als wissenschaftlicher Leiter des Seminarkongresses.

Verfasser/in:
Christiane Mahnke
Hausärzteverband




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