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nä 06/2018
aktualisiert am: 15.06.2018

 

  Klinik und Praxis

Polizeiliche Kriminalprävention: Diebstahl endoskopischer Geräte

Die Polizei der Länder und des Bundes wenden sich mit diesen Informationen an Krankenhäuser, Kliniken und Arztpraxen, um über gehäuft festzustellende Diebstähle von endoskopischen Geräten zu informieren.


 

Die Polizei der Länder und des Bundes wenden sich mit diesen Informationen an Krankenhäuser, Kliniken und Arztpraxen, um über gehäuft festzustellende Diebstähle von endoskopischen Geräten zu informieren.
Seit 2015 kommt es bundesweit zu einer Vielzahl von Diebstählen hochwertiger medizinischer Geräte aus Krankenhäusern. Hierbei handelt es sich vorrangig um Geräte aus dem Bereich der Inneren Medizin, insbesondere Endoskope und Koloskope der Firmen Olympus und Pentax. Der derzeit bekannte Schaden seit 2015 liegt bundesweit bei mindestens 25 Millionen Euro. Sowohl Fallzahlen als auch Schäden steigen seit 2015 kontinuierlich. Neben Entwendungen in Deutschland sind auch aus dem Ausland diesbezüglich zahlreiche Vorfälle bekannt.

Wie die Täter bislang vorgehen


Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei den Tätern um aus mehreren Personen bestehende Gruppierungen, die arbeitsteilig vorgehen und denen auch (teils schwangere) Frauen angehören. Die Tatörtlichkeiten werden im Vorfeld durch die Täter ausgekundschaftet, sodass die Täter in der Regel über eine gute Ortskenntnis am Tatort verfügen. In der Vergangenheit waren Krankenhäuser in ruhigen Stadtrandlagen eher an Wochenenden, Krankenhäuser in belebten Innenstadtanlagen häufiger unter der Woche betroffen. Die Tatzeiten selbst liegen vorwiegend an Wochenenden, häufig in den Abend- und Nachtstunden.

Vereinzelt wurden Manipulationen an Zugangstüren / Eingängen / Notausgängen des Gebäudes für den späteren Zutritt (zum Beispiel Klebestreifen über Türfalle) festgestellt. Der Zugang zu den medizinischen Geräten erfolgt, indem die abgesperrten Räumlichkeiten durch Gewalteinwirkung, insbesondere durch Hebeln beziehungsweise Abbrechen / Ziehen / Aufbohren von Profilzylindern gewaltsam geöffnet werden. Die Täter gehen in der Regel gezielt vor und entwenden fast ausschließlich hochwertige Geräte. Ältere Geräte finden meist keine Beachtung, sodass die Taten teilweise abgebrochen beziehungsweise nicht vollendet werden. Die Täter entwenden überwiegend Koloskope und Gastroskope, aber auch andere Typen von Endoskopen, teilweise mit den dazugehörigen Prozessoren und Kaltlichtquellen. Der Tatort wird sowohl über Flucht- und Rettungswege als auch über reguläre Ein- und Ausgänge verlassen. Der Abtransport des Diebesguts erfolgt dabei mit Rucksäcken, Kisten, Reisetaschen und Koffern und in der Folge mit PKW.

Was ist zu tun?


Die hier empfohlenen Sicherungsmaßnahmen sollen dazu beitragen, mittel- und langfristig Tatanreize zu reduzieren und eine frühzeitige Alarmierung im Angriffsfall sicherzustellen, um damit den Erfolg der Täter zu vereiteln oder wesentlich zu erschweren.

Verhaltensregeln/-änderungen
- Informieren und sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
- Besucher / Patienten sollten nicht allein in Räumen mit endoskopischen Geräten zurückgelassen werden.
- Schließen Sie Behandlungsräume, insbesondere mit hochwertiger medizinischer Ausstattung, bei Nichtnutzung in geeigneter Form und sicher ab und lagern Sie die Geräte in gesicherten Schränken.
- Achten Sie auf fremde Personen, insbesondere wenn
- diese sich auffällig für medizinische Geräte interessieren oder
- diese sich in Bereich aufhalten, die für Besucher nicht vorgesehen sind oder
- diese Koffer, Taschen, Kartons oder ähnliches aus Bereichen abtransportieren und dies im Widerspruch zu den üblichen Abläufen steht.
- Merken Sie sich Besonderheiten, Kfz-Kennzeichen, Marke, Modell, Farbe et cetera bei der Beobachtung verdächtiger Personen oder Fahrzeuge und verständigen Sie umgehend die Polizei.

Sicherungstechnische Vorkehrungen
Darüber hinaus kann durch nachfolgende technische Vorkehrun­gen der Schutz entsprechender Geräte deutlich erhöht werden:
- Schaffung besonders gesicherter Depots oder Behandlungsräume, zum Beispiel durch Einbau oder Nachrüstung einbruchhemmender Türen / Fenster (gemäß DIN EN 1627 beziehungsweise DIN 18104).
- Aufbewahrung in speziellen Wertschutzschränken außerhalb der Behandlungszeiten (gemäß EN 1143-1).
- Bereich mit Publikumsverkehr von Bereichen ohne Publikumsverkehr durch geschlossene Türen trennen (zum Beispiel Knauf auf der Außenseite).
- Sichtschutz (Folien, Lamellenstores, Rollläden et cetera) einrichten - kein Einblick durch Unberechtigte.
- Ergänzung durch den Einbau von Einbruchmeldeanlagen und die Nutzung von bewährten überwachungshilfen, wie zum Beispiel Kontakten an Türen oder Wertschutzschränken. So kann die beschriebene frühzeitige Alarmierung zuverlässig umgesetzt werden.
- Einsatz von Videotechnik (Maßnahmen/Speicherdauer/ Zugriffsrechte im Vorfeld mit dem Datenschutzbeauftragten und Betriebs- bzw. Personalrat abstimmen) an den Haupteingängen beziehungsweise -ausgängen, Ausfahrten und in den sensiblen Bereichen (übertragung der Bilder an ständig besetzte Stelle [24 h / 7 Tage] beziehungsweise mit mindestens 96 h-Speicherdauer aufzeichnen). Dies hat eine abschreckende Wirkung und kann im Falle einer Entwendung zur späteren Identifizierung der Täter und Fahrzeuge führen.
- Ausreichende Beleuchtung des überwachungsbereichs für qualitativ hochwertige Bilder.
- Kein Einsatz von Dummies.
- Montage von Hinweisschildern (gemäß DIN 33450) beziehungsweise Piktogrammen in öffentlich zugänglichen Zonen.

Wichtig im Zusammenhand mit sicherungstechnischen Vorkehrungen ist immer eine individuelle Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der hausinternen Abläufe sowie eine fachgerechte Umsetzung anhand geprüfter und zertifizierter Produkte. Hier kann auch der kostenlose und individuelle Beratungsservice der Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Anspruch genommen werden. Welche Beratungsstelle zuständig ist, weiß die örtlich zuständige Polizeidienststelle.

Was ist zu tun, wenn es doch zu einem Diebstahl gekommen ist?

- Unverzügliche Erstattung einer Anzeige bei Ihrer örtlichen Po­lizeidienststelle - auch wenn keine Geräte entwendet wurden.
- Absperrung des relevanten Bereichs, sodass Täterspuren nicht zerstört werden. Bitte keine Reinigungs- oder Aufräummaßnahmen ergreifen, solange nicht eine Tatortfreigabe durch die Polizei erfolgt ist.
- Zu Beweiszwecken: Sicherung von vorhandenem Video-/Fotomaterial und gegebenenfalls vorhandener Videoüberwachungskameras sowohl im engeren Tatortbereich als auch an den Haupteingängen beziehungsweise -ausgängen oder Ausfahrten.
- Melden Sie nach Tatortfreigabe durch die Polizei die Indivi­dualdaten der entwendeten Geräte auch an den Hersteller mit dem Hinweis, dass diese Geräte entwendet wurden.

Was ist zu tun, wenn Sie ein gebrauchtes Gerät kaufen beziehungsweise eines angeboten bekommen?


Basierend auf aktuellen Erkenntnissen wird darauf hingewiesen, dass in- und ausländische gestohlene Geräte mittlerweile wieder in Europa, auch in Deutschland, zum Kauf angeboten werden. Hierbei sind Anbieter unter anderem auch Firmen mit Sitz in Deutschland, die diese Geräte auf unterschiedlichen Wegen über weitere Zwischenhändler im In- und Ausland erworben haben. Nicht immer lässt sich über die "attraktive" Preisgestaltung erkennen, dass das Gerät nicht legal zum Kauf stehen kann. Zur Absicherung wird empfohlen, vor einem Kauf anhand der Individualnummer des Geräts dieses über den Hersteller prüfen zu lassen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der örtlich zuständigen Polizeidienststelle.

Verfasser/in:

Bundeskriminalamt




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