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aktualisiert am: 15.06.2018

 

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DEGAM will Primärarztsystem für Deutschland


 

Hausärztinnen und Hausärzte sollten im Gesundheitssystem die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sein, fordert die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). 80 bis 90 Prozent aller Beratungsanlässe könnten hier abschließend behandelt werden. Gleichzeitig schütze dies vor über- und Fehlversorgung.

Bisher sei die Versorgungssituation in Deutschland von einer direkten und parallelen Inanspruchnahme von hausärztlichen Praxen und Spezialisten gekennzeichnet. Dieses System werde den Bedürfnissen aber nicht gerecht. Eine hausärztlich koordinierte Primärversorgung biete nachweislich viele Vorteile.

Die DEGAM hat daher anlehnend an einen Entwurf der Arbeitsgruppe Allgemeinmedizin der Bundesärztekammer für ein hausarztgeleitetes Team von Fachkräften in der Primärversorgung und im Einklang mit den Sachverständigenratsgutachten von 2007 bis 2015 einen Maßnahmenkatalog vorgestellt. Er soll die strukturellen Probleme des deutschen Gesundheitssystems reduzieren und die ungesteuerte Inanspruchnahme von Spezialisten zu unterbinden. Im Einzelnen fordert der Katalog folgende Maßnahmen:
- Als Regelversorgung ein garantiertes Primärarztsystem mit Einschreibung wie in der HzV (hausarztzentrierten Versorgung) üblich;
- Zuzahlung bei direkter Inanspruchnahme von Spezialisten und Krankenhausambulanzen außerhalb des ärztlichen Bereitschaftsdienstes;
- Erhöhung des Anteils der Allgemeinmedizin am ärztlichen Nachwuchs in Weiterbildung auf etwa 30 Prozent (Es gibt in Deutschland keine Unterversorgung mit Ärzten insgesamt, sondern nur zu wenig Hausärzte. Die Erhöhung des Anteils der Allgemeinmedizin wird kompensierbar durch Fokussierung auf Spezialisten-Leistungen mit nachgewiesenem Nutzen);
- Die Umsetzung von bundeseinheitlichen Medikationsplänen, Notfalldatensätzen, digitalen Patientenakten und strukturierter Notfallversorgung erfordert mehr hausärztliche Ressourcen. Als Ausgleich dafür sind zeitsparende Regelungen z.B. bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Abrechnung erforderlich;
- Die Verbesserung der Attraktivität hausärztlicher Tätigkeit und Sicherung der Basisversorgung erfordert eine Aufwertung von Zuwendung, sprechender Medizin, flächendeckender Versorgung und Koordination. Bei durchschnittlich gleicher Weiterbildungsdauer, höherer Arbeitszeit und (u.a. wegen der Koordinationstätigkeit) höherer Verantwortung müssen Hausärzte mindestens das gleiche Einkommen haben wie Spezialisten. Dies fordern auch Medizinstudierende, der Sachverständigenrat und die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag.

In 15 von 28 europäischen Ländern sei bereits ein Primärversorgungssystem etabliert. In weiteren sieben EU-Ländern werde eine hausärztliche überweisung in die Sekundärversorgung durch Vermeidung von Zuzahlungen unterstützt.

Verfasser/in:
Redaktion





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