Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Karl-Wiechert-Allee 18-22
30625 Hannover
info@haeverlag.de
nä 09/2018
aktualisiert am: 17.09.2018

 

  Hochschule

Quo vadis, Alumni?

Absolventenbefragungen helfen der MHH die Studienqualität zu verbessern und liefern empirische Daten zum Einstieg in den ärztlichen Beruf


 


Wenn es um Verbesserungsansätze in Studium und Lehre geht, verzichtet keine Hochschule mehr auf das Feedback der eigenen Studierenden - der aktuell eingeschriebenen, wie auch der ehemaligen. Letztere werden im Rahmen von Absolventenbefragungen kontaktiert, bei denen es weniger um einzelne Lehrveranstaltungen geht, als vielmehr um summative Einschätzungen über Gelerntes und (möglicherweise) Versäumtes. Zugleich lassen sich vor dem Hintergrund des erfolgten Berufseinstiegs Daten über die beruflichen Orientierungen gewinnen. Die Ergebnisse liefern für die interne Qualitätssicherung der Hochschulen, aber auch für die medizinische Ausbildungsforschung wertvolle Hinweise.

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) befragt seit 2010 jährlich Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Humanmedizin, jeweils rund 1,5 Jahre nach Studienende. Auszugsweise möchten wir im Folgenden zentrale Ergebnisse vorstellen, die nicht nur aus niedersächsischer Perspektive von großem Interesse sind. Die Auswertungen fassen die Abschlussjahrgänge 2009-2015 zusammen (n=909). Der Rücklauf liegt durchschnittlich bei 40 Prozent. Hinsichtlich der zentralen demografischen Merkmale ist die Stichprobe repräsentativ: Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sind weiblich, rund ein Viertel verfügt über eine - zumeist im Gesundheitswesen abgeschlossene - Berufsausbildung.

Rückblick auf das Studium


Insgesamt geben die Absolventinnen und Absolventen der MHH positive Rückmeldungen - Die Gesamtzufriedenheit mit dem Studium hat sich seit Beginn der Befragung von 2,6 auf 2,1 verbessert (fünfstufige Skala: 1=sehr zufrieden <> 5=sehr unzufrieden). Die Entscheidung für das Medizinstudium wird von der großen Mehrheit (>80 Prozent) nicht in Frage gestellt. Mit Blick auf die Studienbedingungen wird die fachliche Qualität der Ausbildung gelobt. Zugleich sind die Promotionsquoten stabil und vergleichsweise hoch. Bei einem guten Drittel der Befragten ist die Promotion bereits abgeschlossen, weitere 50 Prozent arbeiten noch daran.

Berufliche Orientierung


In den vergangenen Jahren haben vor dem Hintergrund des vieldiskutierten Ärztemangels Fragen nach dem beruflichen Werdegang an Bedeutung gewonnen. Absolventenstudien bieten hierzu eine Reihe von Erkenntnissen. So geben 95 Prozent der Befragten an, in der Krankenversorgung tätig zu sein. 23 Prozent sind in Universitätskliniken tätig, 72 Prozent in nicht-universitären Krankenhäusern. Bei der Wahl des fachärztlichen Weiterbildungsziels verbucht die Innere Medizin den größten Anteil. In die Gebiete mit ohnehin schon ausgeprägten Nachwuchssorgen, wie der Chirurgie oder der Allgemeinmedizin, streben dagegen zum Befragungszeitpunkt weitaus weniger Absolventen (siehe Grafik). Auch eine Frage nach der avisierten beruflichen Endposition nach der Facharztweiterbildung ist seit 2013 im Fragebogen enthalten, wobei sich bei der Beantwortung interessante Unterschiede zwischen Ärztinnen und Ärzten zeigen. Sind die Anteile derjenigen, die eine Niederlassung anstreben, zwischen den Geschlechtern noch ähnlich ausgeprägt (Ärztinnen: 9,5 Prozent für hausärztliche Niederlassung; 17,4 Prozent für Niederlassung als Spezialistin/ Ärzte: 8,1 Prozent für hausärztliche Niederlassung und ebenfalls 17,4 Prozent für Niederlassung als Spezialist), zeigen sich bei den Berufspositionen in der Klinik deutliche Unterschiede: 25 Prozent der Frauen möchten dort später als Oberärztin tätig sein, aber nur 1,3 Prozent als Chefärztin. Bei den Männern streben dagegen 34 Prozent eine Stelle als Oberarzt an und rund zehn Prozent eine Chefarztposition.

Berufszufriedenheit


Wichtige Gradmesser für den Verbleib in der kurativen Medizin sind die berufliche Zufriedenheit und die Möglichkeit, Beruf, Familie und Freizeit in Einklang zu bringen. Diesbezüglich lassen sich anhand der Absolventenbefragungen verschiedene Aussagen treffen. Auf einer fünfstufigen Skala von 1="sehr zufrieden" bis 5="sehr unzufrieden" liegt der Mittelwert für die Berufszufriedenheit bei 2,4. Als manifest unzufrieden lassen sich weniger als zehn Prozent einstufen. Insgesamt existieren deutliche Unterschiede, die wiederum fach- und geschlechtsbezogene Muster erkennen lassen: Frauen zeigen sich insgesamt zufriedener mit ihrer Work-Life-Balance, Männer schätzen ihre beruflichen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten besser ein. Bei den durchschnittlich geleisteten überstunden ergibt sich bei Frauen ein Wert von 9,4 Wochenstunden, bei Männern 10,5.

Mobilität nach dem Studium


Die Frage nach der Herkunft der Studierenden und ihrem Verbleib nach dem Studium ist für viele Fakultätsstandorte und die ärztliche Versorgung von besonderem Interesse. Die Analyse der MHH-Daten zeigt, dass der Großteil des medizinischen Nachwuchses aus Niedersachsen stammt (crica 68 Prozent). Weitere circa elf Prozent kommen aus Nordrhein-Westfalen, der Rest aus den übrigen Bundesländern beziehungsweise dem Ausland. Den Berufseinstieg vollziehen knapp über 70 Prozent in Niedersachsen, wobei rund jeder fünfte Studierende, der aus Niedersachsen stammt, nach erfolgtem Studienabschluss sein Bundesland verlässt. Dafür bleiben aus anderen Bundesländern in derselben Größenordnung junge Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen. Ein "Klebeeffekt" durch den Studienort ist also durchaus gegeben.

Verfasser/in:
Prof. Dr. med. Ingo Just



Dr. Volker Paulmann
Studiendekanat der Medizinischen Hochschule Hannover




inhalt 09/ 18
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2018. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 17.09.2018.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung