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nä 09/2018
aktualisiert am: 17.09.2018

 

  Arzneimittel & Veror

Chinin bei Wadenkrämpfen?

ATIS informiert: Negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis bei Chinin-Präparaten


 

Anfrage an ATIS
Eine Kollegin, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, betreut eine Patientin, die zur Behandlung von Wadenkrämpfen das Chinin-Präparat Limptar® erhalten soll. Wegen Vorhofflimmerns wird die Patientin mit Edoxaban (Lixiana®) behandelt. Die Kollegin fragt: "In der Packungsbeilage von Limptar® wird auf eine Wirkverstärkung von Vitamin-K-Antagonisten hingewiesen. Gilt dieser Hinweis auch für direkte orale Antikoagulantien und wenn ja, kann Chinin zusammen mit Edoxaban verordnet werden?"

Antwort von ATIS
Die Fachinformation zu Chinin (Limptar®) warnt, dass Chinin durch Verminderung der hepatischen Produktion Vitamin-K-abhängiger Blutgerinnungsfaktoren die Wirkung oraler Antikoagulantien verstärken kann (1). Der Warnhinweis gilt somit auch für die direkten oralen Antikoagulantien. Es ist von einer Addition der Wirkungen auf das Gerinnungssystem auszugehen. Das resultierende erhöhte Blutungsrisiko ist nicht kalkulierbar. Wir empfehlen, Chinin nicht zusammen mit Edoxaban zu verordnen.

Kommentar


Generell raten wir davon ab, Chinin zur Therapie von Wadenkrämpfen einzusetzen. Einem allenfalls geringen Nutzen stehen schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Hör- und Sehstörungen und Thrombozytopenie gegenüber. Zudem sind wie im vorliegenden Fall schwerwiegende Medikamenten-Interaktionen zu befürchten.
Wegen des Risikopotentials hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2014 eine Rezeptpflicht für das zuvor in Deutschland nicht verschreibungspflichtige Chinin eingeführt (2). Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA stuft den Nutzen von Chinin bei Wadenkrämpfen als nicht belegt ein; daher ist Chinin in den USA für diese Indikation nicht zugelassen (3).

Verfasser/in:
Dr. med. Kristine Chobanyan-Jürgens
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover


PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover



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Literatur

1 Fachinformation; Fachinfo CD, BPI Service GmbH 2018
2 Therapiekritik. CHININ (LIMPTAR N): Rezeptpflicht und Anwendungsbeschränkungen. arznei-telegramm® 2014; 45: 4
3 FDA Drug Safety Communication: New risk management plan and patient Medication Guide for Qualaquin (quinine sulfate)
https://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm218202.htm

Kontakt zu ATIS

Alle Anfragen zur Arzneimitteltherapie können auf folgendem Wege an ATIS gestellt werden: Vorzugsweise per Fax: 0511 380-4617. Telefon: 0511 380-3222. Postanschrift: KV Niedersachsen, z.H. Frau Dr. Friederike Laidig, Berliner Allee 22, 30175 Hannover. Die ATIS-Homepage mit elektronischem Anfrageformular ist im KVN-Mitgliederportal unter Verordnungen > Arzneimittel > Arzneimittelservice > ATIS zu finden. Wir bitten aus organisatorischen Gründen, Anfragen an die genannte KVN-Adresse zu richten. Ihre Anfrage wird dann entweder dort direkt beantwortet oder an das Institut für Klinische Pharmakologie der MHH weitergeleitet.


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