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nä 10/2018
aktualisiert am: 15.10.2018

 

  Glosse

Warten auf schlechtere Zeiten

In der Versichertenbefragung 2018 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeichnen die Versicherten ein überwiegend positives Bild der Versorgung. Doch von der Zukunft erwarten sie nicht so viel


 

Für die jüngste Versichertenbefragung der KBV hat die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH vom 9. April bis 4. Juni 2018 in Deutschland insgesamt 6.043 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger telefonisch befragt, darunter 468 in Niedersachsen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind repräsentativ für die erwachsene Deutsch sprechende Wohnbevölkerung.

Die Studie gliedert sich in drei Themenbereiche: In Kapitel eins "Arztbesuche und Arztpraxen" werden u.a. Häufigkeiten von Haus- und Facharztbesuchen, Zufriedenheit mit Ärzten sowie Wartezeiten für Termine und Wartezeiten in der Praxis dokumentiert. Wie gewohnt erfolgt eine - nach subjektivem Patientenempfinden - Bewertung des behandelnden Arztes bzw. der behandelnden Ärztin. In Kapitel zwei "Gesundheitssystem und Gesundheitsversorgung" werden die Versicherten nach persönlichen Konsequenzen gesundheitspolitischer Veränderungen und nach ihren Erwartungen an die zukünftige Gesundheitsversorgung gefragt. Weitere Themen sind Angebot und Nachfrage von individuellen Gesundheitsleitungen, die elektronische Patientenakte, Arzthonorare, Anlaufstellen für ärztliche Hilfe sowie das geplante nationale Gesundheitsportal im Internet. Im Kapitel drei "Individuelle Situation" werden kompakt der individuelle Gesundheitszustand sowie chronische Erkrankungen der Befragten dokumentiert.

Wir veröffentlichen auf den nächsten Seiten die wichtigsten Ergebnisse.

Arztbesuche


Von den Befragten waren 88 Prozent im vergangenen Jahr beim Arzt (bundesweit: 86 Prozent).

Davon waren 39 Prozent (bundesweit 38 Prozent) nur beim Hausarzt, 17 Prozent (bundesweit 17 Prozent) nur beim Facharzt, 44 Prozent (bundesweit 45 Prozent) beim Haus- und Facharzt). Rund die Hälfte von ihnen, 46 Prozent (bundesweit 52 Prozent), war drei- bis zehnmal beim Arzt, 39 Prozent (bundesweit 32 Prozent) nur ein- bis zweimal und 16 Prozent (bundesweit 16 Prozent) mehr als zehnmal.

Wartezeiten


28 Prozent der Befragten gaben an, sofort einen Termin erhalten zu haben (bundesweit 30 Prozent), 14 Prozent hatten bis zu drei Tagen Wartezeit (bundesweit 15 Prozent), 44 Prozent mussten länger warten (bundesweit 39 Prozent). 19 Prozent hat die Wartezeit zu lange gedauft (bundesweit 20 Prozent).

Im Wartezimmer haben 44 Prozent bis zu 15 Minuten gewartet (bundesweit 43 Prozent). 18 Prozent haben über 30 Minuten gewartet (bundesweit 26 Prozent).

Verhältnis zum Arzt


Ihr Vertrauensverhältnis zum Arzt bezeichneten 46 Prozent der Befragten als "sehr gut" (bundesweit 52 Prozent), weitere 43 Prozent als "gut". 43 Prozent bescheinigten ihren Ärzten eine "sehr gute" Fachkompetenz (bundesweit 49 Prozent), weitere 47 Prozent eine "gute" Fachkompetenz (bundesweit 43 Prozent).

Barrierefreiheit


83 Prozent der Befragten in Niedersachsen bezeichneten den Zugang zur Arztpraxis als barrierefrei (bundesweit 72 Prozent).

Beschwerden und Zufriedenheit


So unzufrieden mit ihrem letzten Arztbesuch, dass sie sich schon einmal beschweren wollten, waren in Niedersachsen 17 Prozent von denen, die in den letzten 12 Monaten beim Arzt gewesen sind (bundesweit 16 Prozent). Aber nur 8 Prozent der Patienten, die beim Arzt gewesen waren, haben sich tatsächlich beim Arzt beschwert (bundesweit 6 Prozent). Und 8 Prozent (bundesweit 9 Prozent) aus dieser Gruppe haben den Arzt aus Unzufriedenheit gewechselt.

Behandlung und Internet


Vor ihrem Arztbesuch hatten sich 13 Prozent der Patienten im Internet informiert (bundesweit 16 Prozent). 72 Prozent hatten sich nicht informiert (bundesweit 68 Prozent), 13 Prozent haben keinen Internetanschluss (bundesweit 16 Prozent).

Versorgungsstandard


Ihre Absicherung im Krankheitsfall empfinden 54 Prozent der Befragten im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren als unverändert (bundesweit 56 Prozent). 15 Prozent empfanden sie als viel besser (bundesweit 12 Prozent), 25 Prozent (bundesweit 24 Prozent) als schlechter. Für die Zukunft erwarten 48 Prozent (bundesweit 46 Prozent) eine Verschlechterung, 30 Prozent eine unveränderte Versorgung (bundesweit 34 Prozent), 16 Prozent erwarten eine bessere Versorgung (bundesweit 15 Prozent).

Elektronische Patientenakte


65 Prozent der Befragten würden die Einführung einer elektronischen Patientenakte begrüßen (bundesweit 67 Prozent).

Honorar


70 Prozent der Befragten finden, dass das GKV-Arzthonorar auf PKV-Niveau angehoben werden sollte (bundesweit 67 Prozent).

Fazit:


Bei den meisten Befragungsergebnissen weichen die niedersächsischen Ergebnisse nicht signifikant vom Bundesdurchschnitt ab. Zwei Ausnahmen gibt es: Bei den Wartezeiten schneiden die niedersächsischen Praxen bundesweit am besten ab - hier haben die wenigsten Patienten länger als 30 Minuten im Wartezimmer gesessen. Und über 80 Prozent bezeichneten den Zugang zu ihrer Praxis als barrierefrei - das ist der mit Abstand beste Wert im Ländervergleich. Dazu ist allerdings festzuhalten, dass es sich um eine persönliche Wahrnehmung handelt, die nicht mit den gesetzlichen Kriterien für Barrierefreiheit übereinstimmen muss.

Wo die Ergebnisse dicht beieinanderliegen, spiegeln sie länderübergreifende Tendenzen wieder. Die Arztfrequenz ist überall nach wie vor hoch - rund neun von zehn Versicherten haben im letzten Jahr einen Arzt aufgesucht, fast die Hälfte von ihnen mehrfach. Die Wartezeiten spielen nur eine untergeordnete Rolle, und nur jedem Fünften hat es zu lange gedauert, bis er einen Termin bekam. Dem Verhältnis zum Arzt tut das keinen Abbruch; 90 Prozent der Patienten waren mit ihrem Arzt zufrieden oder mehr als zufrieden - eine hohe Auszeichnung für unser Gesundheitswesen, gerade angesichts der Tatsache, dass Patienten durchaus Raum hatten, sich kritisch zu äußern. Unzufriedenheit und Konflikte wurden angegeben, sind aber nicht sehr häufig und führen nur in Ausnahmefällen zu förmlichen Beschwerden. Interessant: Die weitverbreitete Klage, Patienten würden mit im Internet angelesenen Halbwissen die Behandlung lenken wollen, bestätigt sich nicht. Nur eine Minderheit von ihnen hatte sich vorab über ihre Gesundheitsbeschwerden im Netz informiert. Gleichwohl sind die Patienten internetaffin - eine persönliche elektronische Gesundheitskarte würden fast zwei Drittel von ihnen befürworten. Die Digitalisierung in der Medizin dürfte wohl Unterstützung in der Patientenschaft erhalten. Weitgehend verhallt sind die politischen Eingriffe der letzten Jahre in das Gesundheitswesen - die Patienten spüren wenig Auswirkungen davon auf ihre eigene Versorgungslage. Und die Politik sollte bedenklich stimmen, dass sich ungeachtet aller gesetzgeberischen Initiativen fast die Hälfte der Patienten auf eine Verschlechterung der Situation gefasst macht. Von dem Vertrauen, das die Menschen ihren Ärzten entgegen bringen, sind die Politiker offenbar weit entfernt.

Verfasser/in:

KVN



KBV




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