aktualisiert am: 07.06.2002
niedersaechsisches aerzteblatt
 

06/2002


MRSA/ORSA-Informationen in Frage und Antwort

M.-E. Höpken, M. Pulz, A. Windorfer


Die Zunahme multiresistenter Krankheitserreger stuft die WHO als eine globale Herausforderung im 3. Jahrtausend ein. Weltweit ist die Verbreitung von Methicillin/Oxacillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen ein eskalierendes Problem in Krankenhäusern. Das Krankenhausreservoir für MRSA/ORSA sind erkannte und unerkannt besiedelte und infizierte Patienten, auch solche, die als von früheren Krankenhausaufenthalten kolonisiert gebliebene MRSA/ORSA-Träger unerkannt wieder aufgenommen werden. Insbesondere ältere Menschen mit Vorerkrankungen sind empfänglich für anhaltende Besiedlungen und Infektionen mit Staphylokokken. Mit dem steigenden Anteil älterer Menschen mit chronischen Grundleiden in der Bevölkerung wird die MRSA/ORSA-Problematik in der ärztlichen und pflegerischen Betreuung dieser Menschen auch außerhalb des Krankenhauses eine größere Bedeutung erlangen. Weder Panik noch Verdrängung sind sachgerechte Reaktionen auf diese absehbare Entwicklung. Gemeinsam müssen alle Einrichtungen des Gesundheitswesens der Ausbreitung von MRSA/ORSA mit jeweils angemessenen Maßnahmen entgegenwirken.

Vom RKI sind Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von MRSA/ORSA im Krankenhaus erstellt worden (www.rki.de/ Gesundheit/Hygiene/Hygiene.htm).
Empfehlungen zum Umgang mit MRSA/ORSA in Alten- und Pflegeheimen sowie in der ambulanten ärztlichen und pflegerischen Betreuung sind unter
www.nlga.niedersachsen.de/mrsa/mrsa_fr.htm
zu finden.
Im folgenden werden auf häufig gestellte Fragen zum Thema MRSA/ORSA Antworten gegeben, die für den mit dem Thema nicht so Vertrauten eine erste Information sein können. Sie sind so formuliert, daß sie auch in einem Patientengespräch Anwendung finden können.

Was ist MRSA/ORSA?

Staphylococcus aureus besiedelt einerseits die Haut vieler Menschen, ist andererseits aber auch ein häufiger Erreger von Infektionen innerhalb und außerhalb des Krankenhauses. Infektionen können auf die Haut begrenzt sein z.B. Furunkel, Abszesse, Wundinfektionen oder in der Tiefe des Körpers auftreten z.B. Pneumonien, Osteomyelitiden, Sepsis. Methicillin/Oxacillin ist ein Antibiotikum, mit dem in der Regel Staphylokokken-Infektionen behandelt werden können. Einige Staphylokokken haben jedoch eine Resistenz gegen Methicillin/Oxacillin entwickelt, solche Staphylokokken können nicht mehr durch dieses Antibiotikum abgetötet werden. Diese resistenten Bakterien werden Methicillin/Oxacillin-resistente Staphylococcus aureus genannt oder MRSA/ORSA. MRSA/ORSA sind nicht virulenter als Antibiotika-empfindliche Staphylococcus aureus-Stämme, sie verursachen die gleichen Krankheiten.

Was ist der Unterschied zwischen Besiedlung und Infektion?

Besiedlung (Kolonisation) bedeutet, daß MRSA/ORSA auf der Haut oder im Körper vorkommt, ohne eine Erkrankung hervorzurufen. Bei einer Infektion durch MRSA/ORSA treten Entzündungszeichen auf.

Wer bekommt MRSA/ORSA?

MRSA/ORSA-Infektionen entstehen in erster Linie während eines Krankenhausaufenthaltes. Abwehrschwäche, hohes Alter, multiple Grundleiden sind als Risikofaktoren für den Erwerb einer MRSA/ORSA-Infektion im Krankenhaus anzusehen. Patienten mit offenen Wunden sowie Katheter- und Sondenträger sind häufiger betroffen, ebenso wie intensivmedizinisch behandelte und operierte Patienten, die über lange Zeiträume Antibiotika erhalten haben.
Im Krankenhaus und anderen medizinischen/pflegerischen Einrichtungen kann es zu unerkannten Besiedlungen mit MRSA/ORSA kommen. Diese können bei entsprechender Disposition über lange Zeiträume bestehen, ohne das sich akute Infektionen entwickeln.
Gesunde Menschen haben nur äußerst selten eine MRSA/ORSA-Infektion.

Wo findet man MRSA/ORSA?

Durch Abstrichuntersuchungen der Nasenvorhöfe, des Rachens, der Haut sowie im Urin und im Blut.

Wie häufig ist MRSA/ORSA?

Eine genaue Zahl ist nicht bekannt, Schätzungen gehen von ca. 10 000-15 000 MRSA/ORSA-Infektionen/Jahr in Deutschland aus. Sie treten in den Krankenhäusern regional sehr unterschiedlich auf. Die Häufigkeit des MRSA/ORSA-Vorkommens hängt auch von der Struktur und Aufgabenstellung der Krankenhäuser ab. Die Zahl der unerkannten Besiedlungen wird auf das drei- bis 10-fache der erkannten Infektionen mit MRSA/ORSA geschätzt.

Ist MRSA/ORSA behandelbar?

Ja! Obwohl MRSA/ORSA häufig resistent gegen viele Antibiotika sind, gibt es noch einige wenige Antibiotika, mit denen MRSA/ORSA-Infektionen behandelt werden können. Sie haben jedoch mehr Nebenwirkungen und sind wegen wiederum drohender Resistenzentwicklung nur begrenzt einsetzbar. MRSA/ORSA-Infektionen sind daher häufig sehr schwierig zu therapieren.
Bei Patienten, die mit MRSA/ORSA besiedelt sind, wird im Krankenhaus eine lokale Sanierungsbehandlung mit Nasensalbe und ggf. mit antiseptischen Waschlotionen versucht werden. Leider sind diese Maßnahmen häufig nicht dauerhaft erfolgreich. MRSA/ORSA-besiedelte Menschen außerhalb des Krankenhauses müssen in der Regel nicht MRSA/ORSA-spezifisch behandelt werden. Nach Absprache mit dem Krankenhaus sollte jedoch eine noch nicht abgeschlossene Sanierungsbehandlung zu Ende geführt werden.

Kann MRSA/ORSA übertragen werden?

MRSA/ORSA haben eine hohe "epidemische" Virulenz, d.h. sie haben eine starke Tendenz zur Ausbreitung insbesondere im Milieu des Krankenhauses, da dort zahlreiche Patienten, die besonders für Infektionen anfällig sind, wie Patienten auf Intensivstationen oder in onkologischen Abteilungen, behandelt werden. MRSA/ ORSA wird überwiegend durch körperlichen Kontakt, in erster Linie über die Hände übertragen und nicht bzw. nur in sehr seltenen Ausnahmesituationen über die Luft. Krankenhäuser treffen Vorkehrungen, um eine Übertragung von Patient zu Patient zu vermeiden. Handlungsgrundlage ist das oberste Gebot des Sicherheitsrechtes für alle Patienten im Krankenhaus. Patienten mit MRSA/ORSA werden daher im Einzelzimmer gepflegt (Isolierung). Das Personal trägt Handschuhe, z.T. auch Schutzkittel und Mund-Nasenmasken. Vor Patientenkontakten, nach dem Ausziehen der Handschuhe und beim Verlassen des Zimmers werden die Hände desinfiziert. Auch für den Patienten und seine Besucher werden bestimmte Verhaltensmaßnahmen festgelegt.

Wie lange muß ein Patient mit MRSA/ORSA im Krankenhaus isoliert werden?

Die für die Hygiene Verantwortlichen eines Krankenhauses entscheiden, wann es für einen Patienten sicher ist, die Isolierung aufzuheben. Weil MRSA/ORSA schwierig zu behandeln ist, kann dies wenige Tage, einige Wochen oder auch länger dauern.

Wann kann ein Patient, der MRSA/ORSA hatte/hat, entlassen werden?

Wenn keine Anzeichen einer akuten Infektion durch MRSA/ORSA mehr vorhanden sind und ein Patient nicht aus anderen Gründen im Krankenhaus behandelt werden muß, kann er - auch MRSA/ORSA-besiedelt - entlassen werden. MRSA/ORSA stellen keine Gefährdung für die Allgemeinbevölkerung dar.

Was muß in der ambulanten Behandlung-/Betreuung eines MRSA-Trägers beachtet werden?

Bei der ambulanten ärztlichen und pflegerischen Behandlung müssen die Grundregeln der Hygiene beachtet werden. Dazu gehören an erster Stelle die konsequent durchgeführte Händehygiene, sowie aseptische Arbeitstechniken und die sachgerechte Dekontamination von Flächen und Instrumenten. Andere Patienten in einer Praxis bzw. von Pflegediensten sind bei hygienisch korrekter Arbeitsweise nicht gefährdet. Dies gilt natürlich auch für die Betreuung in Alten- und Pflegeheimen, die zudem bei der räumlichen Unterbringung einiger MRSA/ORSA-positiver Bewohner gewisse Vorkehrungen treffen sollen. Das Selbstbestimmungsrecht des Bewohners in seinem alters- und/oder pflegebedingten häuslichen Lebensraum sollte dabei berücksichtigt werden.

Sind Angehörige, Kinder, Mitbewohner und Besucher im häuslichen Bereich/Alten-Pflegeheim gefährdet?

Gesunde Familienmitglieder, auch Kinder, Mitbewohner und Besucher können alltägliche soziale Kontakte mit MRSA/ORSA-Trägern pflegen. Gesunde Menschen können in einer Wohnung/einem Zimmer mit ihnen leben. Körperkontakte wie Anfassen und Umarmen stellen für sie keine Gefahr dar. Nach pflegerischen Tätigkeiten und Kontakten mit Ausscheidungen, Sekreten sollen sie sich gründlich die Hände waschen, ggf. desinfizieren. Personen, die sehr krank sind bzw. ein geschwächtes Abwehrsystem oder chronische Hauterkrankungen haben, sollen MRSA/ORSA-Träger nicht pflegen und sehr enge körperliche Kontakte mit ihnen meiden, nach Kontakten sollten sie sich die Hände waschen. Im übrigen trägt eine gute persönliche Hygiene des MRSA/ORSA-Trägers dazu bei, die MRSA/ORSA-Übertragung auf Familienmitglieder und andere zu vermeiden.


Anschrift ders Verfasserin:

Dr. Maria-Elisabeth Höpken
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Roesebeckstr. 4-6
30449 Hannover

 
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